Uwe Schulz: Versöhnung

versöhnung

Rezension von Christian Döring:
Im vorliegenden Buch werden dem Leser 12 voneinander unabhängige Geschichten zum Thema Versöhnung erzählt. Das Buch ist nicht geeignet, um es in einem Rutsch durchzulesen. Liest man alle paar Tage eine Geschichte und geht mit ihr ein wenig spazieren und lässt sie wirken, hat man sicher mehr davon.

Die Geschichten, die der WDR-Journalist Uwe Schulz aufgeschrieben hat, können jeden Leser irgendwie und irgendwann im realen Leben einmal selbst betreffen. Da ist der Chef, der seine Mitarbeiter mit Worten beleidigt und drangsaliert, da liegt der Vater auf dem Sterbebett und die Tochter kommt, lange Zeit herrschte Funkstille. Dieses Buch wird es in unserer schnelllebigen Zeit sehr schwer haben. Es fordert seinen Leser nämlich zum Nachdenken heraus. Es gibt Punkte in unserem Leben, da sind wir ganz konkret gefragt und müssen entscheiden: schlagen wir Krawall oder gehen wir den schwereren Weg der Versöhnung.

Da dieser Weg der Versöhnung der ist, der oft mehr Hirn und Kraft erfordert und für viele von außen betrachtet wohl auch oft so aussieht, als ziehe man den Kürzeren, wird er nur selten als der richtige erkannt. In den Geschichten von Uwe Schulz wird sehr deutlich, warum gerade der Weg der Versöhnung der ist, den Jesus von uns erwartet.

Den Weg der Versöhnung zu gehen, als Christ im Alltag erkennbar zu werden oder zu bleiben, wird gerade in der Gegenwart täglich wichtiger. Schulz beweist daneben mit seiner Geschichte über Asylanten, dass er auf der Höhe der Zeit ist und dass Versöhnung kein verstaubter Begriff sein sollte!

Fontis, ISBN 978-3-038-48061-7, Preis 14,99 Euro

Uwe Schulz hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Uwe Schulz, soeben haben Sie eine Geschichtensammlung zum Thema Versöhnung vorgelegt. Wie kamen Sie ausgerechnet auf dieses Thema?

Versöhnung ist für mich der kleinste gemeinsame Nenner aller biblischen Inhalte. Und das Buch ist ja ein Versuch, Evangelium in die Gegenwart zu übersetzen. Als ich dem Verlag anbot, fiktionale Geschichten mit authentischem Hintergrund in einer Story-Sammlung zusammenzuführen, und irgendwann die Frage nach dem Buch-Titel im Raum stand, entschieden der Lektor und ich uns gemeinsam für diesen zentralen Begriff: Versöhnung, das ist Verheißung und Herausforderung zugleich. Das gefällt mir.

Teilen Sie meine Einschätzung: Mit der Versöhnung haben wir es nicht so, sie verlangt sehr viel von uns! Warum ist das so oder irre ich mich?

Wie wir Versöhnung leben oder erleben, hängt von den äußeren Umständen und der Persönlichkeit jedes Einzelnen ab. Ich selbst bin ein sehr harmonieliebender und -bedürftiger Mensch und suche in Begegnungen vorrangig nach dem, was uns miteinander verbindet; aber auch ich tue mich gelegentlich schwer, mich mit mir selbst oder anderen gründlich auszusöhnen. Meine Storys handeln deshalb von der Mühe, die Versöhnung uns auch immer abverlangt. Die ersten Leser der zwölf Storys mussten erst einmal verdauen, dass nicht jede Erzählung auf ein klassisches happy ending hinausläuft. Meine Storys erzählen nicht von dem, was Dietrich Bonhoeffer „billige Gnade“ nennt. Mir geht es darum, auch in gesellschaftlich raueren Zeiten wie unserer Gegenwart den Preis der christlichen Nachfolge darzustellen. In „Ein guter Tag“ und „Amazing Grace“ zum Beispiel setzen die Protagonisten dafür ihr Leben ein.

anika sch

Foto: Uwe Schulz

Ist unsere schnelllebige Zeit ein Versöhnungskiller?

Zum Glück nicht. Nichts kann nach meinem Glauben Versöhnung wie Sie sagen: „killen“. Versöhnung widersteht dem Tod, sie ist unkaputtbar, nicht kleinzukriegen. So, wie gesagt, verstehe ich Evangelium. Aber es gehört sicher zur Grundbefindlichkeit des Menschen, dass er schneller in Rage zu versetzen ist als zu befrieden. Es ist leichter, eine Wirtshausschlägerei anzuzetteln oder einen Krieg, als Streithähne zu trennen, oder verfeindete Staaten zu einem Friedensabkommen zu bewegen. Es ist auch leichter, auf Facebook eine Hass-Botschaft rauszuhauen, als dort virtuell einen ausgewogenen, versöhnlichen Diskurs zu pflegen. Insofern haben Sie vielleicht recht, dass unser Lebensrhythmus Versöhnung erschwert.

Wie kann ich dem begegnen?

Ich weiß nicht, wie Sie das können. Da werden Sie eigene Wege wissen, denn wir haben in der Regel alle ein Herz, das uns sagt, wo das Leben sich stimmiger anfühlt. Ich versuche immer wieder, mich zu besinnen auf das, was mir im Leben wichtig ist. Und das sind nun einmal vorrangig intakte Beziehungen und Frieden mit mir, meiner Umwelt und Gott. Ach so: Und natürlich müssen Sie unbedingt mein Buch lesen; dann wissen Sie alles über Versöhnung und leben glücklich und in Frieden bis ans Ende aller Tage. Wenn Sie dann noch ein Exemplar ihrem ärgsten Feind schenken, ist der Weltfrieden gerettet.

Welche Zielgruppe hatten Sie beim schreiben im Visier und wozu kann Ihr Buch in Ihren kühnsten träumen nützlich sein?

Wenn wir schon über maximale Fantasien reden, dann ist das Buch natürlich für die ganze Welt gedacht, und es wird ein historischer globaler Bestseller, übersetzt in alle Sprachen der erforschten Galaxie. Etwas realistischer und eine Nummer kleiner: ich würde mich freuen, wenn dieses Buch Menschen ermutigte, die sich fragen, wie sie in persönlichen oder systembedingten Krisen – seien sie seelisch, geistig oder physisch – ein Leben führen können, von dem sie am Ende sagen dürfen: „Es war gut so, es ist gelungen, dafür muss ich mich nicht schämen.“ Deshalb widmen sich die Storys ja nicht nur Einzelschicksalen, sondern auch gesellschaftlichen und historischen Themen wie dem Streit ums Asylrecht und dem scheinbar unendlichen Nahostkonflikt. Ob es nun die Versöhnung der chronisch kranken Frau mit dem eigenen Schicksal ist, die Versöhnung der missbrauchten Tochter mit dem sterbenden Vater oder die Versöhnung eines polnischen Zwangsarbeiters mit seinem deutschen Aufseher 1945 – immer hatte ich ein Publikum vor Augen, das aus diesen Begebenheiten die Wahrheit herauszulesen vermag und darüber froh werden kann. Und diese Wahrheit lautet für mich: Versöhnung lohnt jeden Einsatz, aber sie ist auch immer ein Geschenk.

Vielen Dank für das Interview!

Der Fontis Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 24. 11. 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “Uwe Schulz: Versöhnung

  1. margrit

    Ja, dem können wir wahrscheinlich alle zustimmen: „Versöhnung lohnt jeden Einsatz, aber sie ist auch immer ein Geschenk“ – und Gnade …

  2. ….einzelne geschichten….das finde ich gut…
    vg
    annette

  3. Curin

    Klingt interessant und lesenswert!

  4. salo

    Wunderbar, wenn man gerne etwas für zwischendurch lesen möchte 🙂

  5. Jennie

    Ein wichtiges Thema, ich würde gern was dazu lesen!

  6. Reni

    Würde ich gerne lesen

  7. Dagi

    Sein erstes (?) Buch „Die letzte Tür“ hat mich sehr bewegt, nun bin ich auf sein neues gespannt…

  8. Ody

    Versöhnung leben aus der Versöhnung Gottes mit uns Menschen heraus – würde ich gerne lesen – das Thema ist weit!

  9. Edith

    Versöhnung – so wichtig und doch so schwer. Es macht Mut, Geschichten darüber zu lesen.

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