Monatsarchiv: Februar 2016

David Gelernter: Gezeiten des Geistes

Gezeiten des Geistes

Rezension von Christian Döring:
Dieses Buch war für mich nicht ganz so einfach zu bewältigen. Weite Teile habe ich zwei mal gelesen und ich habe es nicht bereut. Es hörte sich anfangs für mich furchtbar theoretisch und trocken an. Aber schon nach wenigen Seiten habe ich kapiert, wo es lang geht.

David Gelernter ist amerikanischer Computerwissenschaftler, weiß also sehr genau über Computer bescheid. Er erklärt, warum sie gerade so gebaut wurden und nicht anders. KI = Künstliche Intelligenz heißt das neue Zauberwort, an das wir unser Leben hängen und scheinbar nicht kapieren, was wir Menschen dabei bereit sind aufzugeben.

KI kann vieles besser als wir Menschen, wir lassen sie immer weiter in unseren Alltag hinein, viel zu weit wie D. Gelernter meint. Er erinnert daran, dass wir Gefühle und Emotionen besitzen. Wir haben Träume und Fantasie, wir haben keine KI, die dies ebenfalls für sich beanspruchen kann. Und so wird der Autor zu einer mahnenden Stimme und ich habe immer mehr das Gefühl, es ist längst nach 12 Uhr.

Gegen Ende des Buches läuft der Autor zu Hochtouren auf. Und wenn ich bei amerikanischen Autoren manchmal anmerke, nicht direkt europäische oder deutsche Blickwinkel zu treffen, hier stimmt es auf den Millimeter. Je mehr KI wir zulassen, um so mehr geben wir das auf, was uns Menschen eigentlich ausmacht. Eine sehr traurige Entwicklung, aber ich meine unumkehrbar. Dennoch danke ich dem Autor sehr für sein Buch.

Noch ein Aspekt erscheint mir sehr wichtig. Wir Menschen älteren Semesters haben eine Kindheit und Jugendzeit erleben dürfen, in der KI nicht zu unserem Alltag gehörte. Die Kinder heute wachsen bereits im Kindesalter hinein in die Welt der KI. Es wächst eine Generation heran, die nie Fantasie und Träume fernab aller KI ausleben konnte.

David Gelernter sagt, die Entwicklung ist falsch. Das Buch ist gut, aber ändern wird es nichts mehr an der Selbstaufgabe des Menschen!

Ullstein, ISBN 978-3-5500-8049-4, Preis 22,00 Euro

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Christa Rau: Himmel zu vererben

himmel zu vererben

Rezension von Simone Janoschke:
Als Sophia Sammet stirbt, ahnen Alexa, Robert und ihr Sohn Simon Grün nicht, was im nächsten Jahr auf sie zukommen wird. Tante Sophia, die immer bescheiden lebte und nie viel Geld hatte, hat ihnen eine größere Summe vererbt, die sie aber nur unter einer Bedingung bekommen, dass sie ein Jahr lang als bewusste Christen leben. Das ist ein Schock für die Familie – mit Gott hatten sie bisher nichts am Hut. Doch sie lassen sich auf die Bedingung ein und fragen den ansässigen Pfarrer, was man als Christ alles tun sollte oder eben nicht. Aber wo kommt das ganze Geld her? Familie Grün macht sich auf die Suche und erlebt so einige merkwürdige Begegnungen. Werden sie wirklich ein Jahr als Christ leben können und so das Erbe antreten können?

Ich muss zugeben, dieser Plot hat mich gleich neugierig gemacht. So weit ich mich erinnere, hab ich so eine Idee noch nie als Roman gelesen. Ich war sehr gespannt und wurde nicht enttäuscht! Irgendwie ahnt man ja wie es ausgeht, aber doch ist das Buch ganz anders als erwartet, es hat mich total überrascht. Bis zum Schluss bleibt es offen, wie das Buch endet. Es wirft auch immer wieder die Frage auf: Wie würde ich reagieren, wenn ich so ein Erbe antreten sollte? Immer wieder muss ich schmunzeln, wie die Grüns sich vortasten in ihrem neuen Leben. Ganz geschickt wird hier die Botschaft des christlichen Glaubens verwoben, so dass man viel darüber erfährt und das Buch auch jemandem geben kann, der dem Glauben eher skeptisch gegenüber steht. Dabei merkt man, dass es nicht immer leicht ist, als Christ zu leben, schon gar nicht, wenn man gar keiner ist. Unter Christen gibt es so einige ungeschriebene Gesetze, die man erst mal herausfinden muss, wenn man damit sonst nichts zu tun hat. Dafür hat die Autorin einige tolle Charaktere erschaffen. Besonders der Pfarrer hat es mir angetan, er ist so herrlich ehrlich und unkompliziert. Aber auch Familie Grün ist eine ganz normale Familie. Simon, der das ganze mit jugendlicher Leichtigkeit angeht. Alexa, die im Trott des Alltags gefangen ist und Robert, der versucht aus dieser Routine auszubrechen und damit kräftig auf die Nase fällt. Natürlich sind einige Szenen doch sehr gewollt zufällig, trotzdem passte es einfach zu dieser Geschichte. Leider kommt das Ende viel zu schnell, gerade als man die Familie ins Herz geschlossen hat. Ich hätte gern noch ein bisschen weiter gelesen.

Christa Rau ist ein einmaliger Roman gelungen, der lange nachklingt. Es ist ein eher ruhiger Roman, der dem Leser viel Freiraum für eigene Gedanken lässt und man überlegt, wie es wohl mit Familie Grün weitergeht, wenn man die letzte Seite zuklappt. Ich hoffe, es wird noch mehr so tolle Romane von der Autorin geben!

Brunnen-Verlag, ISBN 978-3-7655-2047-1, Preis 16,99 EUR

Christa Rau hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Kürzlich erschien Ihr Buch „Himmel zu vererben“ im Brunnen Verlag. Ein Jahr lang als bewusste Christen leben – wie kommt man darauf, aus so einer Idee einen Roman zu schreiben? Das ist ja ein eher ungewöhnliches Romanthema.

Na ja, für Geld tut man, auch ich, ja so manches. Und ich kenne so viele liebe Menschen, die keine Ahnung von Gott haben. Ich würde ihnen gerne Geld dafür geben, dass sie das Beste, das es auf der Welt gibt, mal ausprobieren. Mal beten, mal einen Gottesdienst besuchen – das kostet nichts und ist doch mehr wert, als alles andere auf der Welt. In meinem Buch habe ich drei Menschen das erleben lassen, was ich mir für so viele wünschen würde: Dass sie den Mut haben, die Sache mit dem Glauben einfach mal auszuprobieren. Viele Leute haben auch ein falsches Verständnis davon, was es bedeutend, Christ zu sein. Als Christ zu leben ist so toll und so viele Leute wissen das gar nicht. Das Rahmenthema mit dem Erbe hat mir als Autorin die Möglichkeit gegeben, was darüber zu sagen.

Ist die Geschichte rein fiktiv oder gibt es biografische Elemente? Besonders bei dem Pfarrer dachte ich, es wäre toll, wenn es den wirklich gäbe.

Den Pfarrer gibt es tatsächlich, das ist nämlich mein Mann. Ich habe viele Leute zu meinem Buch befragt, und jemand hat gemeint: Der Pfarrer ist an einer Stelle ein bisschen belehrend. Dazu meinte mein Mann dann ganz trocken: „Klar, ich bin auch belehrend!“ Der Hauskreis könnte unser Hauskreis sein und auch der Sohn Simon hat was von meinen beiden großen Söhnen. Freunde von uns aus der Kirchengemeinde haben das Buch ganz genau studiert, ob ich von unsrer Gemeinde schreibe. Das mache ich schon. Man kann nur gut über die Dinge schreiben, die man ganz genau kennt.
Allerdings ist nur eine Begebenheit genau so passiert, wie ich sie beschrieben habe: Vor Jahren schon habe ich von einer Frau erfahren, dass sie bei einem Sturz von Engeln aufgefangen wurde. Das war eine sehr anrührende Erzählung, ich habe sie mir über lange Zeit gemerkt und es hat mich getröstet und gestärkt, das von der Frau zu hören. Ich hätte nicht den Mut gehabt, so eine Engelsgeschichte zu erfinden.

Wichtigstes Thema im Buch ist der christliche Glaube. Kann man wirklich ein Leben als Christ leben obwohl man keiner ist?

Auch wenn man kein Christ ist, kann man in den Gottesdienst gehen oder in einem Kirchenchor singen. Man kann in der Bibel lesen und sogar ein Gebet sprechen. Ich lade immer wieder Leute in unseren Gottesdienst ein, die keine Ahnung von Gott haben, und manchmal ist das dann der Beginn eines Lebens mit Gott. Klar, richtig Christ bin ich nur, wenn ich glaube, dass Gott und Jesus real sind und wenn ich eine Beziehung zu Gott habe. Aber irgendwie muss ja jeder diesen Gott erst mal finden und da gibt es tausend tolle Wege, bei jedem Mensch läuft das anders ab. Gott ist da wunderbar kreativ.

Dieser Roman ist bereits 2014 unter dem Titel „Himmelsreich“ im Eigenverlag erschienen. Wie kam es, dass der Brunnen Verlag jetzt den Roman nochmals veröffentlichte?

christa rau

Foto: Autorin Christa Rau

Ich habe viele, viele Stunden mit Schreiben verbracht, habe mein Manuskript dann an alle christlichen Verlage geschickt, die ich kannte, aber kein Verlag wollte mein Buch drucken. Meine Familie und Freunde haben mich dann ermutigt, es doch selbst herauszugeben. So was geht ja heute problemlos. Eine liebe Freundin hat mir alles korrigiert nach Rechtschreibfehlern, mein ältester Sohn hat mir zum Geburtstag den Umschlag gestaltet, und so wurden 300 Exemplare gedruckt. Von den 300 Büchern habe ich in kurzer Zeit sehr viele verkauft, ohne groß Werbung zu machen. Das Echo von den Lesern war dann so umwerfend positiv, dass ich einen letzten Versuch gewagt habe und dem Brunnen-Verlag das Buch schickte. Zu meiner großen Freude hat der Verlag es genommen und nun herausgegeben. So ein großer Verlag hat natürlich viel mehr Möglichkeiten, für das Buch zu werben und es zu verkaufen, als ich.

Gibt es bereits ein neues Romanprojekt? Mit 5 Kindern stelle ich es mir nicht so leicht vor, Zeit fürs Schreiben zu finden. Oder nehmen Sie sich die einfach?

Es gibt ein neues Romanprojekt, ja, aber ich habe tatsächlich sehr wenig Zeit zum Schreiben, weil ich nicht nur eine große Familie habe, sondern mich mit Leidenschaft auch in unserer Gemeinde engagiere. Ich liebe Menschen jeglicher Sorte und ich brauche Menschen um mich herum. Beim Schreiben sitzt man viele Stunden einsam am Schreibtisch. Das ist manchmal dann ein Interessenskonflikt und so sind es höchstens 3 Stunden pro Woche, die ich bisher für mein Buch hatte. Oft habe ich auch den Kopf nicht frei, damit die Ideen fließen können, denn mit einer großen Familie hat man auch große Sorgen. Und dann kommen immer die Kinder und der Mann noch vor der eigenen Leidenschaft und der Freude am Schreiben. Was dann im Zweifelsfall immer zu kurz kommt, ist der Haushalt und der Garten, da breitet sich ganz oft das Chaos aus, aber damit habe ich kein Problem. Eher im Gegenteil, ich brauche ein bisschen Chaos um mich rum, damit ich kreativ sein kann. Nur meine Mitmenschen sind dann halt manchmal entsetzt. So ist das eben, keiner ist perfekt.

Herzlichen Dank für das Interview!

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Gronemeyer/Fink: Unsere Kinder – Was sie für die Zukunft wirklich stark macht

unsere kinder was sie

Rezension von Christian Döring:
Dieser Titel hat mich neugierig gemacht. Mit bestimmten Erwartungen habe ich mich an die Lektüre getraut, aber dann kam alles ganz anders …
Die Autoren fackeln nicht lange und machen sich sehr gründliche Gedanken über unsere Bildungsmaschinerie. Diese, so sagen Gronemeyer und Fink, hat sich längst von „der Idee einer humanistischen Bildung entfernt …“
Wie unser Bildungssystem z.Z. angelegt ist, kann es keine starken Kinder für die Zukunft startklar machen. Die Autoren erläutern aus welchen Gründen dies schier unmöglich ist. Und bereits hier begegnet mir etwas, was sich wohltuend von vielen anderen Erziehungsratgebern abhebt. Ich bekomme als Elternteil nicht nur mitgeteilt, was alles bei und mit meinen Kindern falsch läuft, ich erfahre auch, wie sich unsere Zukunft bereits in den nächsten ein oder zwei Jahrzehnten dramatisch verändern wird. Diese Veränderungen kommen auf verschiedensten Ebenen ungefragt daher. Da ist zum einen der Faktor produktive Arbeit, der immer mehr aus unserem Leben verschwinden wird und da sind beispielsweise von außen an uns herantretende Ursachen. Vielleicht sogar eine afrikanische Flüchtlingswelle, die uns dann rückblickend sagen lassen wird: Wie niedrig waren doch die Flüchtlingszahlen der Jahre 2015/2016.
Die Autoren behandeln Kinder und Eltern in ihrem Buch nicht getrennt voneinander. Sie machen sehr deutlich, dass eine lebenswerte Zukunft in Deutschland nur partnerschaftlich und generationenübergreifend gemeistert werden kann. So bekomme ich halt als Vertreter der Alten auch mein Fett weg und habe über viele Gedankenanregungen nachzudenken.
Vom grundlegenden Wandel des Lebens in Deutschland innerhalb nur weniger Jahre sprechen die Autoren und beschreiben das Kind von heute auf der Höhe der Zeit: Der Einfluss von realen Beziehungen zum Nächsten nimmt rapide ab, selbst der innerhalb der Familien. „Die digitale Realität hat vielmehr an Boden gewonnen und macht die Familie zu einer Begleiterscheinung.“ Im Grunde genommen wissen wir Leser dies alles, aber wir sind zum tatenlosen Zuschauer dieser Entwicklungen geworden, auch davon reden die Autoren.
Die Gleise die uns in die Zukunft bringen werden sind eingefahren. Die Gleise zwischen Eltern und Kindern, aber auch die Gleise zwischen Generationen. Viele wissen längst, es kann nicht mehr lange so weitergehen. Persönliche Freunde kommen abhanden, dafür steigt die Anzahl der Facebook-Freunde. Gronemeyer und Fink vergleichen diese Situation mit dem Tanz auf dem Vulkan, der uns demnächst um die Ohren fliegen wird.
Aber wie kann uns die Wende, dass Verlassen der eingefahrenen Gleise, noch gelingen? Wie wird es möglich Begriffe wie Gemeinschaft und Solidarität wieder in die Mitte unseres Lebens zu transportieren?
Gegen Ende des Buches präsentieren beide Autoren in einer Zusammenstellung kurz und prägnant ihr Rezept für starke Kinder. Jeder einzelne Punkt davon ist richtig, aber schwer im Alltag umzusetzen, weil er oftmals ein gegen den Strom anschwimmen bedeutet. Aber ein „geht nicht“ darf hier nicht gelten, es geht um uns alle. Übrigens einer der aufgezählten Punkte lautet: „Nicht daran glauben, dass Kriege vernünftig sind“.
Reimer Gronemeyer und Michaela Fink machen in ihrer Bestandsaufnahme eindeutig klar, dass wir auf dem falschen Dampfer sind. Sie geben Hinweise damit Kurskorrekturen für eine lebenswerte Zukunft aller Generationen vorgenommen werden können!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08928-7, Preis 19,99 Euro

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Lynn Austin: Fundament der Hoffnung

fundament der hoffnung

Rezension von Simone Janoschke:
Um 445 v. Chr: Nehemia ist schon lange Jahre Mundschenk von König Artaxerxes als er von seinen Brüdern erfährt, dass seine Heimat Jerusalem in Trümmern liegt und sie den Feinden schutzlos ausgeliefert sind. Durch Gottes Hilfe ernennt der König von Persien Nehemia zum Statthalter von Juda um die Mauer in Jerusalem wieder zu errichten. Doch dort angekommen, stößt er auf großen Widerstand. Nicht nur die Nachbarvölker wollen Jerusalem im Griff haben, auch viele in seinem eigenen Volk folgen längst nicht mehr dem Allerhöchsten und halten sich nicht mehr an das Gesetz. Und da ist noch Chana, die Verlobte von Malkija, die unbedingt am Bau der Mauer mitarbeiten will, obwohl sie als Frau lieber im Haus bleiben sollte. Ihr Verlobter Malkija ist auch nicht bereit, sich allem Unterzuordnen, was Nehemia für sein Volk festlegt. Ist er auf Nehemias Seite oder spielt er ein falsches Spiel? Kann er ihm vertrauen? Wird es gelingen, die Mauer aufzubauen oder werden die Nachbarvölker Nehemia daran hindern?

Fundament der Hoffnung ist der dritte Teil der Restoration Chronicles, welche die biblische Geschichte von Sachaja, Esra und nun von Nehemia erzählt. Daher ist es sinnvoll, mit dem Roman Fremde Heimat zu beginnen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Nachdem im ersten Band die Juden wieder nach Jerusalem zurückkehren und langsam aufbauen, geht es im dritten Band um den Wideraufbau der Mauer, um Jerusalem vor Angreifern zu schützen, nachdem es einige Überfälle mit Todesfolge gab. Lynn Austin webt rund um die biblische Erzählung eine fesselnde Geschichte mit tollen Charakteren. Einige Figuren wurden erfunden, andere kann man wirklich in der Bibel wiederfinden. Wer es genauer nachlesen will, für den stehen auf der letzten Seite alle relevanten Bibelstellen. Hauptprotagonist ist Nehemia, der seine Eltern auf grausame Weise verlor und nun sein Erbe weiterführen will. Dabei ist er oft hart zu sich und kann Chana nicht verstehen, die als Frau ihre Trauer um ihren ermordeten Verlobten verarbeiten will indem sie am Bau der Mauer mitwirkt. Auch Malkija hat eine besondere Rolle, denn er hat als Adliger andere Ziele als das einfache Volk, was lediglich ihr Überleben sichern will. Dabei nimmt er immer wieder Leibeigene auf, weil viele Bauern durch die langanhaltende Dürre ihre Schulden nicht mehr zahlen können. Vor allem die junge Nava trifft es hart, als sie ihre Familie verlassen soll um 6 lange Jahre für Malkija zu arbeiten. Ihr Herz ist hart und verbittert, doch sie lernt, dass sich das Leben nicht nur um sie dreht und dass Vergebung das einzige ist, was ihr Herz erleichtern kann.

Obwohl es heute keine Leibeigenen mehr gibt, wir keine Mauern mehr um unsere Städte haben und die Geschichte fast 2500 Jahre her ist, ist das Buch doch aktueller denn je. Wie schwierig ist es für Flüchtlinge sich im neuen Land zu integrieren? Natürlich reisten die Juden in das Land ihrer Väter zurück, dennoch muss es schwer für sie gewesen, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden und sich gegen die Einheimischen durchzusetzen, die ihr Land nicht mit den Fremden teilen wollten. Vielen von ihnen kannten Jerusalem ja nur noch aus der Erzählungen ihrer Eltern.

Wie man es von Lynn Austin gewohnt ist, erschafft sie eine sehr komplexe Geschichte, in der am Ende alle Stränge wieder zusammen finden. So bekommt man auch einen guten Einblick in den damaligen Alltag. Man kann die Hitze fast körperlich spüren und die Anspannung fühlen, als Nehemia im Tempel verkündet, warum er als Statthalter eingesetzt worden ist. Der kapitelweise Perspektivenwechsel bringt immer wieder Spannung in die Handlung.

Die Autorin erweckt eine biblische Geschichte sehr gelungen zum Leben und lässt uns neu staunen, wie Gott immer wieder eingreift – ob im großen Stil oder im persönlichen Leben. Wir können immer mit ihm rechnen, vielleicht nicht so wie wir es erwarten, aber er lässt uns nie im Stich.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN: 978-386827-558-2, Preis 15,95 Euro

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Stahl/Schmiedel: Kein Herz aus Stahl

kein herz aus stahl

Rezension von Christian Döring:
Mit der Kindheit von Michael Stahl möchte wohl kein Junge tauschen. Bei jeder Nichtigkeit wird er von seinem Vater zusammengeschlagen und ihm wird erklärt, Schuld an allem zu sein und nichts zu taugen. Der Junge denkt sogar über Selbstmord nach.
Aber plötzlich mischt sich Gott in sein Leben ein. Michael entdeckt ein Bild an der Wand im Schlafzimmer. Er steht davor, betrachtet den abgebildeten Jesus und bemerkt, dass dieser ihn sehr genau betrachtet. Michael wechselt die Positionen, legt sich sogar unters Bett und stellt verblüfft fest: Dieser Jesus hat ihn immer im Blick. Er interessiert sich für den Außenseiter, der in der Schule einen schweren Stand als Sohn des stadtbekannten Trinkers hat.

Aus dem kleinen Michael wird ein berühmter Bodyguard. Er beschützt sein großes Kindheitsidol Muhammed Ali, aber auch den Papst bei dessen Deutschlandbesuch. Beruflich geht es erst einmal aufwärts für den Autor.

Was jedoch bleibt ist ein völlig zerstörtes Verhältnis zu seinem Vater. Aber dann mit 30 Lebensjahren ergreift Michael Stahl die Initiative und geht zu seinem Vater. . .

Leider kommt in diesem Buch die Mutter zu selten zum Zuge. Ich hätte gern viel mehr über sie erfahren. Welche Rolle spielte sie innerhalb der Familie?

Das beeindruckende an dieser Geschichte ist für mich, wie der Autor es mit Gottes Hilfe schafft, Versöhnungsarbeit zu leisten. Da wo nichts mehr zu kitten möglich scheint, da werden Heilung und Frieden sichtbar. Kein leichter Weg, aber genau der, der sich aus einem Leben mit Gott ergibt!

Brunnen, ISBN 978-3-765-50957-5, Preis 14,99 Euro

Michael Stahl hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Michael Stahl, seit wenigen Tagen ist Dein Buch „Kein Herz aus Stahl“ auf dem Büchermarkt. Du beschreibst Deine scheußliche Kindheit. Warum war dieses Buch für Dich selbst so wichtig?

Dieses Buch liegt mir sehr am Herzen, ich hab zwar schon einige Bücher geschrieben, aber meine ganze Geschichte wurde noch nie in ein Werk gepackt. Zumal es für mich sehr sehr intensiv war. Währenden der Entstehung des Buches, war ich an vielen prägenden Orten meines Lebens, die mich sehr sehr berührten. Es war nicht alles scheußlich in meiner Kindheit. Doch je mehr Schmerz dazu kam, desto mehr verblassten die schönen wertvollen Momente. Ich denke jeder behauptet, dass sein Buch etwas besonderes ist…auch ich behaupte das, weil es nicht nur unterhält sondern unbeschreibliche Geschenke enthält…Wege zur Versöhnung mit sich, mit seinen Mitmenschen und mit Gott. Außerdem ist es mir wichtig, dass Männer sagen was wirklich Sache ist, dass Tabuthemen wie Schuld, Scham und Versagen angepackt werden. Denn je mehr wir uns verstellen um es der Welt recht zu machen, desto mehr kostet es auch Kraft.

Ja dieses Buch ist mit vielen Tränen entstanden…aus dem Herzen für Herzen geschrieben. Je mehr Versöhnung in mein Leben kam desto mehr heilten meine “Vaterwunden”, desto mehr kamen auch Erinnerungen an schöne Momente meiner Kindheit zurück.

Papa ganz neu

Foto: Autor Michael Stahl mit Tochter und Vater.

Dein Vater war ein Trinker, regelmäßig hat er Dich zusammengeschlagen und Dir gesagt, dass du nichts taugst und an allem die Schuld hast. Was glaubst Du, was für Spuren trägst Du noch heute aus dieser Kindheit mit Dir herum?

Dass er mich regelmäßig zusammen geschlagen hat, das ist übertrieben. Ich hab schon des öfteren Prügel bezogen, manchmal auch sehr hart. Doch was ich als grausamer empfand, das waren regelmäßige Sätze wie “Du bist nichts” “Du kannst nichts” “Du wirst in der Gosse enden” usw….oder dass er mir auch ins Gesicht spuckte, das tat mir am meisten weh…manchmal denke ich es gibt nichts schlimmeres als einen Menschen zu bespucken.

Ich erntete sehr viel Verachtung, sehr viel Ablehnung….durch Gesten, kurze Sätze, durch Mimik….

Ich denke, dass ich immer noch in einem Heilungsprozess bin. Fakt ist, wenn ich heute an meinen Papa denke, dann denke ich in Liebe an ihn….ich habe Sehnsucht nach ihm.

Seine Mütze und sein Porträt hängen eben neben mir an der Wand an meinem Schreibtisch.

Als Du 30 Jahre alt warst, hast Du Deinem Vater zum ersten Mal erklärt, dass Du ihn liebst! War das eine Kopf- oder Bauchentscheidung, dies gerade in jenem Augenblick zu tun?

Ich war genau 37 Jahre als ich zu meinem Vater ging und Liebe aussprach. Einige Tage vor diesem “Wunder” machten ich mir Gedanken, was wird sein wenn er mal stirbt. Das brachte Unruhe in meinem Herzen und im Gebet bat ich Gott um Frieden mit meinem Papa und mir. Einige Tage später, träumte ich er wäre gestorben. Am nächsten Tagen wusste ich was ich zu tun hatte. Es war die größte Mauer in meinem Leben, zu meinem Vater zu gehen und Liebe auszusprechen…es war ein unbeschreiblich schwerer Gang. Ich denke es war ein Verstands und Herzentscheidung. Ich hatte Sehnsucht nach Frieden….nach Heilung und mein Verstand sagte mir auch, dass wenn er sterben würde, dass es unerträglich wäre so auseinander zu gehen.

Ich wusste ich muss es tun…ich erwartete nichts, ich ging mit der Absicht ihn bedingungslos zu lieben und dies auszusprechen zu ihm…an diesem Tag wurden zwei neue Menschen geboren, an diesem Tag wurde ich der Sohn der ich sein wollte und mein Vater wurde der Papa…nach dem ich ein Leben lang Sehnsucht hatte. Es ist kaum in Worte zu fassen, ich hoffe die Leser gehen mit Herz und Verstand mit.

Im Vordergrund Deines Buches steht die komplizierte Vater-Sohn-Beziehung. Beim Lesen habe ich mich hin und wieder gefragt: Warum schreibt der Autor so gut wie nie über seine Mutter?

Meine Mutter hat viel in ihrem Leben durchgemacht. Sie ist ein wunderbarer Mensch. Heute lebt sie in meinem Haus. Eben als ich diese Mail schreibe, kocht sie. Der Duft des Essens schleicht durchs ganze Haus und ihre Liebe damit. Ich liebe und ehre sie…oft spielen wir auch gemeinsam mit Freunden und Familie im Garten Fußball.

Ich liebe sie gesund…mein Großer Reibungspunkt in meinem Leben war nicht meine Mama sondern mein Papa.

Vier Wochen vor seinem Tod, gab mir mein Papa die Genehmigung unsere Geschichte mit den Menschen zu teilen, damit viele diese Wunder erleben wie wir beide sie erlebten….deshalb schreibe ich in dieser Offenheit über ihn und mich. Mein Gebet ist es, dass Vergebung und Versöhnung mehr und mehr gelebt und erlebt wird. Dass war der Wunsch meines Vaters und ist auch meiner…

Gott hat sich eigentlich so gut wie von allein in Dein Leben geschlichen. Was meinst Du, warum er mal mit Versöhnung eingreift und mal alles den Bach runterlaufen lässt?

Es wäre anmaßend von mir, zu erklären warum Gott das und jenes macht. Was ich erleben durfte ist, dass er das schmerzliche in meinem Leben nutzt, damit es zum Segen für viele wird. Hätte ich als Kind nicht unter meinem Vater so gelitten, könnte ich viele Kinder denen es heute so geht, nicht verstehen. Ich durchlebte die Hölle von Mobbing und verstehe nun jene die gemobbt werden. Mit 18 Jahren hatte ich kein Dach über dem Kopf und verstehe nun die Obdach – und Heimatlosen….

Ich versagte als Ehemann und als Vater und verstehe Männer die Versagensängste haben oder die gescheitert sind.

Ich habe auch noch viele Antworten nicht auf einige Warum Fragen? Doch ich vertraue dem himmlischen Vater, dem Papa aller Papas…

Vieles was in meinem Leben war, da war ich selbst dran Schuld…doch Gott hat selbst das zum Guten benutzt.

Ich denke eines Tages werden alle Fragen beantwortet sein, wird es keine Tränen und kein Leid mehr geben…ich verstehe Gott so oft nicht, aber das ist auch nicht mein Aufgabe, mein Ziel, meine Absicht sondern ihn zu lieben ist das wichtigste. Vielleicht braucht es die Ewigkeit um Gott zu erkennen wie er wirklich ist, er ist Liebe….vielleicht reicht nicht mal die Ewigkeit aus um diese Liebe ganz und gar zu erfassen…ich weiß es nicht.

Ali und Stahl2

Foto: Bodyguard Michael Stahl mit Muhammad Ali

Warum sollte der Leser ausgerechnet Dein Buch lesen?

Ich denke es gibt keine “Zufälle”. Wer es liest wird dabei erfahren warum er es in den Händen hält.

Oft lesen wir Bücher über die Bibel und die Bibel selbst immer weniger oder manche gar nicht.

Ich wünsche mir, dass wer dies Buch liest mehr von Jesus wissen möchte. Denn wer den Sohn sieht der sieht den Vater.

Wer Sehnsucht nach Vergebung und Versöhnung hat, der sollte Jesus kennen und lieben lernen. Das ist es was ich mir Wünsche.

Mein Papa und ich, durften das Wunder der Versöhnung in unserem Leben erleben….Dies alles geschah durch die Gnade und Liebe Jesus Christi.

Danke, dass ich es wert war um ein interviewt zu werden.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, das Geschenk der Versöhnung in ihrem Leben…

Gott liebt sie alle bedingungslos….und sehnt sich auch nach ihrer Liebe so sind Väter nun mal.

Vielen Dank für das Interview!

Der Brunnen Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 29. Februar 2016 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Hier geht es zum Buchtrailer:

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Marianne J. Voelk: Daniel, mein jüdischer Bruder

daniel, mein

Rezension von Christian Döring:
Autorin Marianne Voelk wurde Anfang der 30er Jahre in Nürnberg geboren und beschreibt in ihren Erinnerungen, wie sie zu ihrem jüdischen Bruder Daniel kommt.

Als Marianne noch das kleine Mädchen Rosalie war und ihre Eltern mit der jüdischen Nachbarsfamilie Rosenholz befreundet waren, verstand sie zunächst die politischen Veränderungen des Alltags noch nicht. Deutsche sollten mit Juden keine Ehen mehr eingehen. Immer weiter gingen die Vorschriften und Gesetze der braunen Machthaber. Schließlich wurde es sogar gefährlich, als deutsche Familie Freundschaft mit einer jüdischen Familie zu leben. All dies jedoch vermag die Verbundenheit der befreundeten Familien nicht zu trennen.

Die Nürnbergerin erinnert sich nach Jahrzehnten noch sehr gut an die Reichskristallnacht, an die Angriffe auf Nürnberg und vor allem an ihren besten Freund Daniel, der zu ihrem Bruder auf Zeit wurde.

In dem Moment, in dem die Nazis vor dem Haus der Familie Rosenholz eintreffen, in die Wohnung eindringen und Daniels Eltern mitnehmen, gelingt dem Jungen zwar die Flucht, er steht nun aber mutterseelenallein da …

Ausgegrenzt sein, einer menschenverachtenden Ideologie zu trotzen und Mensch zu bleiben, sind die großen Themen die Marianne Voelk in ihrem Buch aufgreift. In der Gegenwart sind diese Themen aktueller denn je.

Nicht der Einteilung von gut und böse widmet sich die Autorin. Sie schreibt ganz einfach ihre Geschichte auf, die sie mit ihrem Bruder auf Zeit erlebt hat. So ganz nebenbei wird dabei sehr deutlich, wie wichtig das Verhalten einzelner ist, auch wenn es zunächst aussichtslos scheint und nicht ungefährlich ist. Unter großen Gefahren lebt Daniel fortan in Mariannes Familie.

Solange Menschlichkeit Leben rettet und einer menschenverachtenden Diktatur die Gefolgschaft versagt, ist noch Rettung möglich. Marianne Voelk beweist dies mit ihrer berührenden Geschichte!

Brunnen, ISBN 978-3-765-50947-6, Preis 17,99 Euro

Der Brunnen Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 21.02.2016 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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