Stahl/Schmiedel: Kein Herz aus Stahl

kein herz aus stahl

Rezension von Christian Döring:
Mit der Kindheit von Michael Stahl möchte wohl kein Junge tauschen. Bei jeder Nichtigkeit wird er von seinem Vater zusammengeschlagen und ihm wird erklärt, Schuld an allem zu sein und nichts zu taugen. Der Junge denkt sogar über Selbstmord nach.
Aber plötzlich mischt sich Gott in sein Leben ein. Michael entdeckt ein Bild an der Wand im Schlafzimmer. Er steht davor, betrachtet den abgebildeten Jesus und bemerkt, dass dieser ihn sehr genau betrachtet. Michael wechselt die Positionen, legt sich sogar unters Bett und stellt verblüfft fest: Dieser Jesus hat ihn immer im Blick. Er interessiert sich für den Außenseiter, der in der Schule einen schweren Stand als Sohn des stadtbekannten Trinkers hat.

Aus dem kleinen Michael wird ein berühmter Bodyguard. Er beschützt sein großes Kindheitsidol Muhammed Ali, aber auch den Papst bei dessen Deutschlandbesuch. Beruflich geht es erst einmal aufwärts für den Autor.

Was jedoch bleibt ist ein völlig zerstörtes Verhältnis zu seinem Vater. Aber dann mit 30 Lebensjahren ergreift Michael Stahl die Initiative und geht zu seinem Vater. . .

Leider kommt in diesem Buch die Mutter zu selten zum Zuge. Ich hätte gern viel mehr über sie erfahren. Welche Rolle spielte sie innerhalb der Familie?

Das beeindruckende an dieser Geschichte ist für mich, wie der Autor es mit Gottes Hilfe schafft, Versöhnungsarbeit zu leisten. Da wo nichts mehr zu kitten möglich scheint, da werden Heilung und Frieden sichtbar. Kein leichter Weg, aber genau der, der sich aus einem Leben mit Gott ergibt!

Brunnen, ISBN 978-3-765-50957-5, Preis 14,99 Euro

Michael Stahl hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Michael Stahl, seit wenigen Tagen ist Dein Buch „Kein Herz aus Stahl“ auf dem Büchermarkt. Du beschreibst Deine scheußliche Kindheit. Warum war dieses Buch für Dich selbst so wichtig?

Dieses Buch liegt mir sehr am Herzen, ich hab zwar schon einige Bücher geschrieben, aber meine ganze Geschichte wurde noch nie in ein Werk gepackt. Zumal es für mich sehr sehr intensiv war. Währenden der Entstehung des Buches, war ich an vielen prägenden Orten meines Lebens, die mich sehr sehr berührten. Es war nicht alles scheußlich in meiner Kindheit. Doch je mehr Schmerz dazu kam, desto mehr verblassten die schönen wertvollen Momente. Ich denke jeder behauptet, dass sein Buch etwas besonderes ist…auch ich behaupte das, weil es nicht nur unterhält sondern unbeschreibliche Geschenke enthält…Wege zur Versöhnung mit sich, mit seinen Mitmenschen und mit Gott. Außerdem ist es mir wichtig, dass Männer sagen was wirklich Sache ist, dass Tabuthemen wie Schuld, Scham und Versagen angepackt werden. Denn je mehr wir uns verstellen um es der Welt recht zu machen, desto mehr kostet es auch Kraft.

Ja dieses Buch ist mit vielen Tränen entstanden…aus dem Herzen für Herzen geschrieben. Je mehr Versöhnung in mein Leben kam desto mehr heilten meine “Vaterwunden”, desto mehr kamen auch Erinnerungen an schöne Momente meiner Kindheit zurück.

Papa ganz neu

Foto: Autor Michael Stahl mit Tochter und Vater.

Dein Vater war ein Trinker, regelmäßig hat er Dich zusammengeschlagen und Dir gesagt, dass du nichts taugst und an allem die Schuld hast. Was glaubst Du, was für Spuren trägst Du noch heute aus dieser Kindheit mit Dir herum?

Dass er mich regelmäßig zusammen geschlagen hat, das ist übertrieben. Ich hab schon des öfteren Prügel bezogen, manchmal auch sehr hart. Doch was ich als grausamer empfand, das waren regelmäßige Sätze wie “Du bist nichts” “Du kannst nichts” “Du wirst in der Gosse enden” usw….oder dass er mir auch ins Gesicht spuckte, das tat mir am meisten weh…manchmal denke ich es gibt nichts schlimmeres als einen Menschen zu bespucken.

Ich erntete sehr viel Verachtung, sehr viel Ablehnung….durch Gesten, kurze Sätze, durch Mimik….

Ich denke, dass ich immer noch in einem Heilungsprozess bin. Fakt ist, wenn ich heute an meinen Papa denke, dann denke ich in Liebe an ihn….ich habe Sehnsucht nach ihm.

Seine Mütze und sein Porträt hängen eben neben mir an der Wand an meinem Schreibtisch.

Als Du 30 Jahre alt warst, hast Du Deinem Vater zum ersten Mal erklärt, dass Du ihn liebst! War das eine Kopf- oder Bauchentscheidung, dies gerade in jenem Augenblick zu tun?

Ich war genau 37 Jahre als ich zu meinem Vater ging und Liebe aussprach. Einige Tage vor diesem “Wunder” machten ich mir Gedanken, was wird sein wenn er mal stirbt. Das brachte Unruhe in meinem Herzen und im Gebet bat ich Gott um Frieden mit meinem Papa und mir. Einige Tage später, träumte ich er wäre gestorben. Am nächsten Tagen wusste ich was ich zu tun hatte. Es war die größte Mauer in meinem Leben, zu meinem Vater zu gehen und Liebe auszusprechen…es war ein unbeschreiblich schwerer Gang. Ich denke es war ein Verstands und Herzentscheidung. Ich hatte Sehnsucht nach Frieden….nach Heilung und mein Verstand sagte mir auch, dass wenn er sterben würde, dass es unerträglich wäre so auseinander zu gehen.

Ich wusste ich muss es tun…ich erwartete nichts, ich ging mit der Absicht ihn bedingungslos zu lieben und dies auszusprechen zu ihm…an diesem Tag wurden zwei neue Menschen geboren, an diesem Tag wurde ich der Sohn der ich sein wollte und mein Vater wurde der Papa…nach dem ich ein Leben lang Sehnsucht hatte. Es ist kaum in Worte zu fassen, ich hoffe die Leser gehen mit Herz und Verstand mit.

Im Vordergrund Deines Buches steht die komplizierte Vater-Sohn-Beziehung. Beim Lesen habe ich mich hin und wieder gefragt: Warum schreibt der Autor so gut wie nie über seine Mutter?

Meine Mutter hat viel in ihrem Leben durchgemacht. Sie ist ein wunderbarer Mensch. Heute lebt sie in meinem Haus. Eben als ich diese Mail schreibe, kocht sie. Der Duft des Essens schleicht durchs ganze Haus und ihre Liebe damit. Ich liebe und ehre sie…oft spielen wir auch gemeinsam mit Freunden und Familie im Garten Fußball.

Ich liebe sie gesund…mein Großer Reibungspunkt in meinem Leben war nicht meine Mama sondern mein Papa.

Vier Wochen vor seinem Tod, gab mir mein Papa die Genehmigung unsere Geschichte mit den Menschen zu teilen, damit viele diese Wunder erleben wie wir beide sie erlebten….deshalb schreibe ich in dieser Offenheit über ihn und mich. Mein Gebet ist es, dass Vergebung und Versöhnung mehr und mehr gelebt und erlebt wird. Dass war der Wunsch meines Vaters und ist auch meiner…

Gott hat sich eigentlich so gut wie von allein in Dein Leben geschlichen. Was meinst Du, warum er mal mit Versöhnung eingreift und mal alles den Bach runterlaufen lässt?

Es wäre anmaßend von mir, zu erklären warum Gott das und jenes macht. Was ich erleben durfte ist, dass er das schmerzliche in meinem Leben nutzt, damit es zum Segen für viele wird. Hätte ich als Kind nicht unter meinem Vater so gelitten, könnte ich viele Kinder denen es heute so geht, nicht verstehen. Ich durchlebte die Hölle von Mobbing und verstehe nun jene die gemobbt werden. Mit 18 Jahren hatte ich kein Dach über dem Kopf und verstehe nun die Obdach – und Heimatlosen….

Ich versagte als Ehemann und als Vater und verstehe Männer die Versagensängste haben oder die gescheitert sind.

Ich habe auch noch viele Antworten nicht auf einige Warum Fragen? Doch ich vertraue dem himmlischen Vater, dem Papa aller Papas…

Vieles was in meinem Leben war, da war ich selbst dran Schuld…doch Gott hat selbst das zum Guten benutzt.

Ich denke eines Tages werden alle Fragen beantwortet sein, wird es keine Tränen und kein Leid mehr geben…ich verstehe Gott so oft nicht, aber das ist auch nicht mein Aufgabe, mein Ziel, meine Absicht sondern ihn zu lieben ist das wichtigste. Vielleicht braucht es die Ewigkeit um Gott zu erkennen wie er wirklich ist, er ist Liebe….vielleicht reicht nicht mal die Ewigkeit aus um diese Liebe ganz und gar zu erfassen…ich weiß es nicht.

Ali und Stahl2

Foto: Bodyguard Michael Stahl mit Muhammad Ali

Warum sollte der Leser ausgerechnet Dein Buch lesen?

Ich denke es gibt keine “Zufälle”. Wer es liest wird dabei erfahren warum er es in den Händen hält.

Oft lesen wir Bücher über die Bibel und die Bibel selbst immer weniger oder manche gar nicht.

Ich wünsche mir, dass wer dies Buch liest mehr von Jesus wissen möchte. Denn wer den Sohn sieht der sieht den Vater.

Wer Sehnsucht nach Vergebung und Versöhnung hat, der sollte Jesus kennen und lieben lernen. Das ist es was ich mir Wünsche.

Mein Papa und ich, durften das Wunder der Versöhnung in unserem Leben erleben….Dies alles geschah durch die Gnade und Liebe Jesus Christi.

Danke, dass ich es wert war um ein interviewt zu werden.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, das Geschenk der Versöhnung in ihrem Leben…

Gott liebt sie alle bedingungslos….und sehnt sich auch nach ihrer Liebe so sind Väter nun mal.

Vielen Dank für das Interview!

Der Brunnen Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 29. Februar 2016 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Hier geht es zum Buchtrailer:

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “Stahl/Schmiedel: Kein Herz aus Stahl

  1. Der Typ ist echt klasse und hat viel zu sagen.

  2. ….hatte schon mal was von ihm gehört….

  3. margrit

    Bei den Neuerscheinungen habe ich das Buch gesehen …

  4. Esther

    Ich habe bereits ein Fernsehinterview mit Michael Stahl gesehen und war berührt. Über das Buch würde ich mich daher wirklich freuen.

  5. Curin

    Bisher habe ich von Michael Stahl noch nichts gehört, aber seine Lebensgeschichte berührt mich sehr. Dankeschön für die Rezension!

  6. Tob

    Ich würde mich ebenfalls sehr freuen!

  7. Sehr ansprechend, diese Rezension. Ich bin gespannt auf das Buch!

  8. Reni

    Michael Stahl habe ich schon bei mehreren Veranstaltungen gehört und ich würde das Buch sehr gerne lesen und auch weitergeben :-)))

  9. Sali

    Wüsste ich jetzt schon, wem ich es schenken würde 😉

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