Gronemeyer/Fink: Unsere Kinder – Was sie für die Zukunft wirklich stark macht

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Rezension von Christian Döring:
Dieser Titel hat mich neugierig gemacht. Mit bestimmten Erwartungen habe ich mich an die Lektüre getraut, aber dann kam alles ganz anders …
Die Autoren fackeln nicht lange und machen sich sehr gründliche Gedanken über unsere Bildungsmaschinerie. Diese, so sagen Gronemeyer und Fink, hat sich längst von „der Idee einer humanistischen Bildung entfernt …“
Wie unser Bildungssystem z.Z. angelegt ist, kann es keine starken Kinder für die Zukunft startklar machen. Die Autoren erläutern aus welchen Gründen dies schier unmöglich ist. Und bereits hier begegnet mir etwas, was sich wohltuend von vielen anderen Erziehungsratgebern abhebt. Ich bekomme als Elternteil nicht nur mitgeteilt, was alles bei und mit meinen Kindern falsch läuft, ich erfahre auch, wie sich unsere Zukunft bereits in den nächsten ein oder zwei Jahrzehnten dramatisch verändern wird. Diese Veränderungen kommen auf verschiedensten Ebenen ungefragt daher. Da ist zum einen der Faktor produktive Arbeit, der immer mehr aus unserem Leben verschwinden wird und da sind beispielsweise von außen an uns herantretende Ursachen. Vielleicht sogar eine afrikanische Flüchtlingswelle, die uns dann rückblickend sagen lassen wird: Wie niedrig waren doch die Flüchtlingszahlen der Jahre 2015/2016.
Die Autoren behandeln Kinder und Eltern in ihrem Buch nicht getrennt voneinander. Sie machen sehr deutlich, dass eine lebenswerte Zukunft in Deutschland nur partnerschaftlich und generationenübergreifend gemeistert werden kann. So bekomme ich halt als Vertreter der Alten auch mein Fett weg und habe über viele Gedankenanregungen nachzudenken.
Vom grundlegenden Wandel des Lebens in Deutschland innerhalb nur weniger Jahre sprechen die Autoren und beschreiben das Kind von heute auf der Höhe der Zeit: Der Einfluss von realen Beziehungen zum Nächsten nimmt rapide ab, selbst der innerhalb der Familien. „Die digitale Realität hat vielmehr an Boden gewonnen und macht die Familie zu einer Begleiterscheinung.“ Im Grunde genommen wissen wir Leser dies alles, aber wir sind zum tatenlosen Zuschauer dieser Entwicklungen geworden, auch davon reden die Autoren.
Die Gleise die uns in die Zukunft bringen werden sind eingefahren. Die Gleise zwischen Eltern und Kindern, aber auch die Gleise zwischen Generationen. Viele wissen längst, es kann nicht mehr lange so weitergehen. Persönliche Freunde kommen abhanden, dafür steigt die Anzahl der Facebook-Freunde. Gronemeyer und Fink vergleichen diese Situation mit dem Tanz auf dem Vulkan, der uns demnächst um die Ohren fliegen wird.
Aber wie kann uns die Wende, dass Verlassen der eingefahrenen Gleise, noch gelingen? Wie wird es möglich Begriffe wie Gemeinschaft und Solidarität wieder in die Mitte unseres Lebens zu transportieren?
Gegen Ende des Buches präsentieren beide Autoren in einer Zusammenstellung kurz und prägnant ihr Rezept für starke Kinder. Jeder einzelne Punkt davon ist richtig, aber schwer im Alltag umzusetzen, weil er oftmals ein gegen den Strom anschwimmen bedeutet. Aber ein „geht nicht“ darf hier nicht gelten, es geht um uns alle. Übrigens einer der aufgezählten Punkte lautet: „Nicht daran glauben, dass Kriege vernünftig sind“.
Reimer Gronemeyer und Michaela Fink machen in ihrer Bestandsaufnahme eindeutig klar, dass wir auf dem falschen Dampfer sind. Sie geben Hinweise damit Kurskorrekturen für eine lebenswerte Zukunft aller Generationen vorgenommen werden können!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08928-7, Preis 19,99 Euro

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Gronemeyer/Fink: Unsere Kinder – Was sie für die Zukunft wirklich stark macht

  1. Klingt sehr interessant; ganz besonders das Rezept für starke Kinder. Das Buch kommt gleich auf meine Wunschliste.

  2. Edith

    … und doch steht bei Befragungen, z. B. welche Dinge den jungen Menschen am wichtigsten sind, immer wieder die Familie, Freunde, Partnerschaft an erster Stelle?! Außerdem fällt mir auf, dass sog. ’spießige‘ Tätigkeiten und Hobbys wie Stricken, Brot backen, Gärtnern usw. immer mehr in Mode kommen. Ich interpretiere das so, dass gerade diese Dinge die Sehnsucht der Menschen nach eben diesen Werten wie ‚Familie‘, ‚Heimat‘, ‚Geborgenheit‘ ausdrücken. Das gibt mir Hoffnung.

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