Christa Rau: Himmel zu vererben

himmel zu vererben

Rezension von Simone Janoschke:
Als Sophia Sammet stirbt, ahnen Alexa, Robert und ihr Sohn Simon Grün nicht, was im nächsten Jahr auf sie zukommen wird. Tante Sophia, die immer bescheiden lebte und nie viel Geld hatte, hat ihnen eine größere Summe vererbt, die sie aber nur unter einer Bedingung bekommen, dass sie ein Jahr lang als bewusste Christen leben. Das ist ein Schock für die Familie – mit Gott hatten sie bisher nichts am Hut. Doch sie lassen sich auf die Bedingung ein und fragen den ansässigen Pfarrer, was man als Christ alles tun sollte oder eben nicht. Aber wo kommt das ganze Geld her? Familie Grün macht sich auf die Suche und erlebt so einige merkwürdige Begegnungen. Werden sie wirklich ein Jahr als Christ leben können und so das Erbe antreten können?

Ich muss zugeben, dieser Plot hat mich gleich neugierig gemacht. So weit ich mich erinnere, hab ich so eine Idee noch nie als Roman gelesen. Ich war sehr gespannt und wurde nicht enttäuscht! Irgendwie ahnt man ja wie es ausgeht, aber doch ist das Buch ganz anders als erwartet, es hat mich total überrascht. Bis zum Schluss bleibt es offen, wie das Buch endet. Es wirft auch immer wieder die Frage auf: Wie würde ich reagieren, wenn ich so ein Erbe antreten sollte? Immer wieder muss ich schmunzeln, wie die Grüns sich vortasten in ihrem neuen Leben. Ganz geschickt wird hier die Botschaft des christlichen Glaubens verwoben, so dass man viel darüber erfährt und das Buch auch jemandem geben kann, der dem Glauben eher skeptisch gegenüber steht. Dabei merkt man, dass es nicht immer leicht ist, als Christ zu leben, schon gar nicht, wenn man gar keiner ist. Unter Christen gibt es so einige ungeschriebene Gesetze, die man erst mal herausfinden muss, wenn man damit sonst nichts zu tun hat. Dafür hat die Autorin einige tolle Charaktere erschaffen. Besonders der Pfarrer hat es mir angetan, er ist so herrlich ehrlich und unkompliziert. Aber auch Familie Grün ist eine ganz normale Familie. Simon, der das ganze mit jugendlicher Leichtigkeit angeht. Alexa, die im Trott des Alltags gefangen ist und Robert, der versucht aus dieser Routine auszubrechen und damit kräftig auf die Nase fällt. Natürlich sind einige Szenen doch sehr gewollt zufällig, trotzdem passte es einfach zu dieser Geschichte. Leider kommt das Ende viel zu schnell, gerade als man die Familie ins Herz geschlossen hat. Ich hätte gern noch ein bisschen weiter gelesen.

Christa Rau ist ein einmaliger Roman gelungen, der lange nachklingt. Es ist ein eher ruhiger Roman, der dem Leser viel Freiraum für eigene Gedanken lässt und man überlegt, wie es wohl mit Familie Grün weitergeht, wenn man die letzte Seite zuklappt. Ich hoffe, es wird noch mehr so tolle Romane von der Autorin geben!

Brunnen-Verlag, ISBN 978-3-7655-2047-1, Preis 16,99 EUR

Christa Rau hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Kürzlich erschien Ihr Buch „Himmel zu vererben“ im Brunnen Verlag. Ein Jahr lang als bewusste Christen leben – wie kommt man darauf, aus so einer Idee einen Roman zu schreiben? Das ist ja ein eher ungewöhnliches Romanthema.

Na ja, für Geld tut man, auch ich, ja so manches. Und ich kenne so viele liebe Menschen, die keine Ahnung von Gott haben. Ich würde ihnen gerne Geld dafür geben, dass sie das Beste, das es auf der Welt gibt, mal ausprobieren. Mal beten, mal einen Gottesdienst besuchen – das kostet nichts und ist doch mehr wert, als alles andere auf der Welt. In meinem Buch habe ich drei Menschen das erleben lassen, was ich mir für so viele wünschen würde: Dass sie den Mut haben, die Sache mit dem Glauben einfach mal auszuprobieren. Viele Leute haben auch ein falsches Verständnis davon, was es bedeutend, Christ zu sein. Als Christ zu leben ist so toll und so viele Leute wissen das gar nicht. Das Rahmenthema mit dem Erbe hat mir als Autorin die Möglichkeit gegeben, was darüber zu sagen.

Ist die Geschichte rein fiktiv oder gibt es biografische Elemente? Besonders bei dem Pfarrer dachte ich, es wäre toll, wenn es den wirklich gäbe.

Den Pfarrer gibt es tatsächlich, das ist nämlich mein Mann. Ich habe viele Leute zu meinem Buch befragt, und jemand hat gemeint: Der Pfarrer ist an einer Stelle ein bisschen belehrend. Dazu meinte mein Mann dann ganz trocken: „Klar, ich bin auch belehrend!“ Der Hauskreis könnte unser Hauskreis sein und auch der Sohn Simon hat was von meinen beiden großen Söhnen. Freunde von uns aus der Kirchengemeinde haben das Buch ganz genau studiert, ob ich von unsrer Gemeinde schreibe. Das mache ich schon. Man kann nur gut über die Dinge schreiben, die man ganz genau kennt.
Allerdings ist nur eine Begebenheit genau so passiert, wie ich sie beschrieben habe: Vor Jahren schon habe ich von einer Frau erfahren, dass sie bei einem Sturz von Engeln aufgefangen wurde. Das war eine sehr anrührende Erzählung, ich habe sie mir über lange Zeit gemerkt und es hat mich getröstet und gestärkt, das von der Frau zu hören. Ich hätte nicht den Mut gehabt, so eine Engelsgeschichte zu erfinden.

Wichtigstes Thema im Buch ist der christliche Glaube. Kann man wirklich ein Leben als Christ leben obwohl man keiner ist?

Auch wenn man kein Christ ist, kann man in den Gottesdienst gehen oder in einem Kirchenchor singen. Man kann in der Bibel lesen und sogar ein Gebet sprechen. Ich lade immer wieder Leute in unseren Gottesdienst ein, die keine Ahnung von Gott haben, und manchmal ist das dann der Beginn eines Lebens mit Gott. Klar, richtig Christ bin ich nur, wenn ich glaube, dass Gott und Jesus real sind und wenn ich eine Beziehung zu Gott habe. Aber irgendwie muss ja jeder diesen Gott erst mal finden und da gibt es tausend tolle Wege, bei jedem Mensch läuft das anders ab. Gott ist da wunderbar kreativ.

Dieser Roman ist bereits 2014 unter dem Titel „Himmelsreich“ im Eigenverlag erschienen. Wie kam es, dass der Brunnen Verlag jetzt den Roman nochmals veröffentlichte?

christa rau

Foto: Autorin Christa Rau

Ich habe viele, viele Stunden mit Schreiben verbracht, habe mein Manuskript dann an alle christlichen Verlage geschickt, die ich kannte, aber kein Verlag wollte mein Buch drucken. Meine Familie und Freunde haben mich dann ermutigt, es doch selbst herauszugeben. So was geht ja heute problemlos. Eine liebe Freundin hat mir alles korrigiert nach Rechtschreibfehlern, mein ältester Sohn hat mir zum Geburtstag den Umschlag gestaltet, und so wurden 300 Exemplare gedruckt. Von den 300 Büchern habe ich in kurzer Zeit sehr viele verkauft, ohne groß Werbung zu machen. Das Echo von den Lesern war dann so umwerfend positiv, dass ich einen letzten Versuch gewagt habe und dem Brunnen-Verlag das Buch schickte. Zu meiner großen Freude hat der Verlag es genommen und nun herausgegeben. So ein großer Verlag hat natürlich viel mehr Möglichkeiten, für das Buch zu werben und es zu verkaufen, als ich.

Gibt es bereits ein neues Romanprojekt? Mit 5 Kindern stelle ich es mir nicht so leicht vor, Zeit fürs Schreiben zu finden. Oder nehmen Sie sich die einfach?

Es gibt ein neues Romanprojekt, ja, aber ich habe tatsächlich sehr wenig Zeit zum Schreiben, weil ich nicht nur eine große Familie habe, sondern mich mit Leidenschaft auch in unserer Gemeinde engagiere. Ich liebe Menschen jeglicher Sorte und ich brauche Menschen um mich herum. Beim Schreiben sitzt man viele Stunden einsam am Schreibtisch. Das ist manchmal dann ein Interessenskonflikt und so sind es höchstens 3 Stunden pro Woche, die ich bisher für mein Buch hatte. Oft habe ich auch den Kopf nicht frei, damit die Ideen fließen können, denn mit einer großen Familie hat man auch große Sorgen. Und dann kommen immer die Kinder und der Mann noch vor der eigenen Leidenschaft und der Freude am Schreiben. Was dann im Zweifelsfall immer zu kurz kommt, ist der Haushalt und der Garten, da breitet sich ganz oft das Chaos aus, aber damit habe ich kein Problem. Eher im Gegenteil, ich brauche ein bisschen Chaos um mich rum, damit ich kreativ sein kann. Nur meine Mitmenschen sind dann halt manchmal entsetzt. So ist das eben, keiner ist perfekt.

Herzlichen Dank für das Interview!

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

2 Antworten zu “Christa Rau: Himmel zu vererben

  1. Björn

    Mal was anderes.

  2. Edelgard

    Hört sich vielversprechend an. Das Buch will ich unbedingt demnächst lesen. Danke für das Interview und die Vorstellung des Buches! Hatte gerade heute die Leseprobe gelesen :-).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s