Monatsarchiv: März 2016

Hans-Martin Barth: Das Vaterunser

Das Vaterunser von Hans-Martin Barth

Das Vaterunser von Hans-Martin Barth

Rezension von Christian Döring:
Sehr verehrter Herr Prof. Barth,

seit über 50 Jahren stehe ich zusammen mit anderen Christen und bete das „Vaterunser“. Mal leiere ich es nur so herunter, weil es eben in der Reihenfolge der Liturgie dran ist und ein anderes Mal stehe ich auch innerlich hinter jedem einzelnen gesprochenen Wort. Das „Vaterunser“ ist mir mit den Jahrzehnten lieb und teuer geworden. Nun kommen Sie mit Ihrem Buch daher und überlegen, ob ich das „Vaterunser“ mit Menschen teilen soll, die gar keine Christen sind. Mehr als skeptisch habe ich mich an Ihr neues Buch herangetastet.

„… mich interessiert noch eine andere Frage: Umspannt das „Vaterunser“ am Ende nicht nur die Christenheit? Ist es so allgemein gehalten, dass es letztlich sogar die gesamte Menschheit umgreift?“

Sie schauen zu den anderen Religionen und erklären, in mir verständlicher Form, dass das „Vaterunser“ viel weiter und viel verbindender zu sehen ist, als nur innerhalb christlichen Denkens. Aber sollen nun auch darüber hinaus auch sogenannte säkulare Menschen das „Vaterunser“ mitbeten dürfen? Ich will Ihnen nicht verhehlen, wie fremd mir dieser Gedanke, diese Idee, ist.

Jedes Wort, jeden Satz des „Vaterunser“ betrachten Sie ausführlich. Dies ist wichtig für mich, denn selbst oder gerade nach Jahrzehnten der eigenen „Vaterunser“-Praxis, ist vieles bereits verstaubt, da tut Erfrischung zweifelsfrei Not. Aber völlig neu ist für mich; Sie gehen mit einzelnen Passagen des „Vaterunser“ zu den anderen großen Religionen und was sie da finden überrascht und lässt mich sehen, dass dieses Gebet mehr verbindet als abgrenzt.

Das religiöse Menschen das „Vaterunser“ als verbindendes Gebet sehen können, war für mich neu, jetzt nach der Lektüre Ihres Buches jedoch auch nachvollziehbar.

Aber mal ehrlich, Herr Professor, haben sie bereits mit Menschen die keiner Kirche angehören, das „Vaterunser“ gebetet? Manchmal glaube ich, ich bin konservativer als mir lieb ist, aber ich muss Ihnen zugestehen, Sie haben in meinem Blick hinaus in die Welt ein Fenster geöffnet. Wie Sie Ihre Idee, dass auch säkulare Menschen das „Vaterunser“ mitbeten dürfen, begründen, beeindruckt mich. Skeptisch bin ich noch immer, aber wie gesagt, das Fenster ist geöffnet!

Vielen Dank für Ihre aktuellen Überlegungen zum „Vaterunser“. Sie sind auf der Höhe der Zeit und machen neugierig auf den Umgang mit unserem „Vaterunser“ in Gegenwart und Zukunft!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08233-2, Preis 19,99 Euro

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Rüdiger Jope: Kleine Wolkenschieber

kleine wolkenschieber

Rezension von Christian Döring:
Mit großen weltbewegenden Storys trumpft Rüdiger Jope hier nicht auf. In seinem kleinen Büchlein finden auf gut 100 Seiten 34 Alltagsgeschichten Platz.

Den kleinen Geschichten, in denen sich die Leser wohl mehr als nur einmal wiederfinden werden, entlockt Jope nicht nur kleine Alltagsreaktionen. Da läuft beispielsweise etwas so gewaltig schief, dass es bis zum Himmel stinkt und der Autor kommt von den vergessenen Hühnerbeinen in der Nachbarwohnung, ganz schnell zu den täglichen Nachrichten, die allabendlich auf uns einprasseln. Jope allerdings ruft dazu auf uns nicht einlullen zu lassen. Er erinnert an Jesus und an das was er uns vorgelebt hat. Mit diesem Wissen und mit der Hoffnung die so stark werden kann, dass sie Veränderungen herbeiführt, hat Jesus uns sehr solide ausgestattet, aber über unseren Alltag vergessen wir es leider viel zu schnell.

„Kleine Wolkenschieber“ ist kein Buch fürs Bücherregal. Die einzelnen Geschichten sind nicht für den Massenkonsum geeignet. Nur rationiert kommen sie gut zum tragen. Täglich eine dieser Geschichten reicht aus, um meinen standardisierten Alltagsblick zu verändern.

Meine Lieblingsgeschichte in diesem Büchlein heißt „Lebenslauf“. Neulich habe ich sie im Rahmen einer Andacht vorgelesen und ein Nicken von den Hörern kassiert. Der Autor beschreibt wie er am Grab seines Bruders steht und wie er an solch „dunklen Tälern“ geistlich wächst. Niemand ist sicher vor Schicksalsschlägen oder Niederlagen, aber gerade beim Durchschreiten solch „dunkler Täler“ wachsen wir.

Wolkenschieber Jope öffnet den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im Alltagstrott!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-0927-8, Preis 9,99 Euro

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Maria Anna Leenen: Ganz weit draußen

ganz weit dr

Rezension von Christian Döring:
Tessa ist eine junge Frau. Mit ihrem vor Jahren begonnenem Theologiestudium hat sie ihren Glauben an Gott verloren. Heute arbeitet sie bei der Post im Briefzentrum. Und dann gibt es da noch ihren Freund, mit dem es auch mehr schlecht als recht läuft. In dieser Situation landet Tessa bei einer Eremitin mitten in der norddeutschen Tiefebene.

Eine Woche ausspannen will Tessa bei Marie. Danach dann noch eine Woche irgendwo richtig Urlaub machen und erst dann will sie wieder richtig zurück ins Leben. Aber alles kommt völlig anders als geplant.

Während Tessa sich sicher ist, dass sie seit Jahren fertig ist mit den Themen Gott und Glaube, braucht Marie gar nicht lange und Tessa spürt eine unbändige Sehnsucht tief in ihrem inneren. Beide Frauen kommen ins Gespräch. Tessa erzählt von dem gnadenlosen, menschenfeindlichen Gottesbild, welches Tessas Eltern an sie weiter gegeben haben. Vier Wochen braucht es, bis Tessa kapiert: Du kannst weglaufen so weit du willst, du kannst dich auch mit Arbeit zuschütten so viel du willst, von Gott jedoch ist kein davonkommen. Gott liebt jeden von uns, völlig egal ob wir täglich drei mal beten oder . . .

Maria Anna Leenen macht deutlich: Wir brauchen Gott täglich für ein freies Leben und glücklicherweise nimmt der jeden ohne Vorbedingungen!

adeo, ISBN 978-3-863-34087-2, Preis 17,99 Euro

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Matthias Lohre: Das Erbe der Kriegsenkel

kriegsenkel

Rezension von Christian Döring:

Von meinem Alter her gesehen, zählt mich der Autor des vorliegenden Buches zur Gruppe der Kriegsenkel. Als ich beginne dieses Buch zu lesen, bin ich skeptisch. Kriegskinder, ja die sind bekannt, wurden auch bereits des Öfteren thematisiert. Aber Kriegsenkel?

Dann lese ich Seite um Seite und finde in den Beschreibungen von Matthias Lohre Erinnerungen, die auch in meine Kindheit passen. Kriegskindern sind oftmals Emotionen verloren gegangen, sie konnten scheinbar mit ihnen nicht mehr umgehen, geschweige denn sie im Leben zulassen. Zu viel hatten sie mit ansehen, mit erdulden müssen. Und wie hat sich dies auf uns Kriegsenkel übertragen?

Die lebenslange Beziehung zwischen Eltern und Kindern stand auch Jahrzehnte nach Kriegsende, noch immer unter dem Eindruck von Bomben und Vernichtung, Flucht, Vertreibung und vielen anderen Nöten. Auch wenn Kriegsenkel nicht die Bilder schrecklicher Kriegsereignisse sehen mussten, so haben wir doch mit unseren Eltern auskommen gelernt und diese waren oft lebenslänglich deformiert vom Krieg. Viele landeten in jahrelangen Depressionen, zu keinerlei lebensfrohen Aktionen mehr fähig.

Der Autor kommt auf der persönlichen Schiene mit seinem Thema daher. Er schreibt von seinen Eltern, stellenweise finde ich mich wieder… Erst nach dem Tod von Vater und Mutter macht er sich auf den Weg hinein in die Familiengeschichte. Ihm wird schnell klar: „Kriegsenkel können noch heute mehr über ihre Eltern und Großeltern herausfinden, als sie sich vorstellen können. Sie müssen bloß lernen, wem, wann und wie sie die richtigen Fragen stellen.“

Aber wie sollen Kinder mit ihren Eltern, den Kriegskindern, reden? Was, wenn immer wieder alte Geschichten als Bollwerk erzählt werden, aber niemand an den Kern von Vater und Mutter herankommt? Der Autor gibt Hinweise und lässt Experten raten.

Es hat einige Seiten gebraucht, aber inzwischen hat dieses Thema Besitz von mir ergriffen. Je weiter der Autor gen II. Weltkrieg schreitet und je weiter er die prägenden Schatten dieses furchtbaren Krieges beschreibt, die gleichermaßen auf Kriegskinder, wie auch Kriegsenkel fallen, um so befreiender und erhellender kann der Blick der heutigen Generation sein. Lohre zeigt, dass nur über einfühlsame Gespräche ein heilender Prozess in Gang gesetzt werden kann. Dieser Prozess ist gewinnbringend für beide Seiten.

Es kommt nicht darauf an, jemanden in seiner Situation anzugreifen oder zu verurteilen. Erst wenn wir die Lebensgeschichten unserer Eltern wirklich kennen, wenn wir verstehen, warum sie so geworden sind, wie sie uns oft das Leben erschwert haben, erst dann ist Heilung möglich.

Was nach dem lesen bleibt? Reden wir miteinander, solange es noch geht!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-5790-8636-1, Preis 19,99 Euro

Hier der Blog zum Buch.

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Matt Haig: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

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Rezension von Christian Döring:
Ein Buch über die große Volkskrankheit Depression. Man kann dem Patienten die Krankheit nicht ansehen, deshalb meinen viele Nichtbetroffene Erkrankte aufmuntern zu können, indem sie ihnen zurufen: Stell dich nicht so an, so schlimm wird es schon nicht sein!

Matt Haig nimmt seine Leser mit in die fremde Welt des Erkrankten. Er schreibt wie ihn seine Depression vom Leben immer mehr fernhält. Wie er langsam seinem eigenen Leben entgleitet. Sehr persönlich geht es da zu und selbst vor menschlichen Abgründen stehend, vermag der Autor heute zu lächeln, denn er hat es geschafft seine Depression hinter sich zu lassen. Er hatte das Glück am Ende des Tunnels das Licht zu entdecken.

Welche Phasen er durchlebt, durchlitten und an sich vorbeiziehen lassen hat, beschreibt er eindrucksvoll. Immer wieder schiebt er aber auch beinah fachlich korrekte Beschreibungen mit ein:

„Ich hatte das Gefühl, mein Spiegelbild zeige einen fremden Menschen.
Ein fast schmerzhaftes Kribbeln in Armen, Händen, Brust, Kehle und Hinterkopf …“

Viele Patienten sehen nur im Selbstmord einen Ausweg. Sie fühlen sich nicht verstanden. Angehörige stehen hilflos vor dem sich so schnell verändernden Familienangehörigen, dem man seine Krankheit so überhaupt nicht ansieht und Ärzte stellen eine Depression oft erst sehr spät fest.

Viele Sachbücher und Ratgeber sind in den letzten Jahren zum Thema Depression auf den Büchermarkt gekommen. Dieses hier von Matt Haig setzt sich mit Leichtigkeit von allen anderen positiv ab: Es spricht Erkrankte und deren Angehörige gleichermaßen an und geht vom positiven Krankheitsverlauf aus!

dtv, ISBN 978-3-423-28071-6, Preis 18,90 Euro

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Lisa T. Bergren: Unsere Welt ist ein Geschenk des Himmels

geschenk des himmels

Rezension von Susanne Degenhardt:
Dies ist mittlerweile das 5. Bilderbuch aus der „Geschenk des Himmels“ Reihe, welche versucht Kindern bestimmte christliche Themen zu vermitteln. So erzählt „Unsere Welt ist ein Geschenk des Himmels“, wie vielfältig Gott die Welt erschaffen hat und wie einzigartig und dennoch unterschiedlich wir Menschen (bzw. die Bären) sind.

Der kleine Eisbär stellt mal wieder viele Fragen, die seine Mutter gewissenhaft beantwortet. Während die Eisbärenfamilie im Museum eine Bärenausstellung besucht, zeigt sie ihm, wie unterschiedlich die Bären aussehen und leben. Dass deren Lebensorte ganz anders sind als der Nordpol und wie wichtig es ist, dass wir uns um unsere Welt kümmern, denn sie ist ein Geschenk des Himmels.

Meine Tochter (4,5 Jahre alt) liebt diese Bilderbuchreihe seit sie 2 Jahre alt ist. Wir starteten damals mit „Du bist ein Geschenk des Himmels“, das sich auch gut für jüngere Kinder eignet. Sie vervollständigt nach wie vor gerne die Stellen, wenn „…ist ein Geschenk des Himmels“ im Text vorkommt. Verständnisprobleme gab es keine, meine Tochter lauschte ganz gebannt. Ihr wurde eine neue Welt eröffnet und sie wurde sensibilisiert, wie wertvoll die Welt ist, in der wir leben. Die Illustrationen sind wieder einmal sehr niedlich und unterstreichen den Text.

Eine schöne Geschichte für wissbegierige Kinder ab 4 Jahren!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-8682-7585-8, Preis 9,95 Euro

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Gideon Böss: Deutschland, deine Götter

deutschland deine götter

Rezension von Christian Döring:
Das es in Deutschland mehr als nur die evangelische und katholische Kirche gibt, dürfte wohl jedem Leser bekannt sein. Aber auf seinem Göttertripp quer durch Deutschland hat Gideon Böss viel mehr an Kirchen und Göttern getroffen, die aus unterschiedlichster Motivation heraus Daseinsberechtigung ziehen.
Der Spaßfaktor steht bei der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ zumindest für Außenstehende im Vordergrund. Der Autor war zwar ins brandenburgische Templin gereist, um den Chef dieser Kirche persönlich zu befragen, aber etwas mit Substanz ist dabei nicht herausgekommen.
Mit der Heilsarmee und mit den Baptisten beschäftigt sich der Autor. Ebenso mit den Aleviten und den Mormonen.
Als evangelischer Christ lese ich natürlich besonders aufmerksam, was Böss zur evangelischen Kirche schreibt. Es ist interessant von einem Außenstehenden beschrieben zu werden, er sieht einiges völlig anders … Was bei den einzelnen Beschreibungen auffällt, der Autor nähert sich den Kirchen im lockeren Ton und sehr neugierig, aber keinesfalls respektlos.
Gemeinsamkeiten der so unterschiedlich ausgerichteten Kirchen stellt Gideon Böss am Ende seiner Kirchenrundfahrt fest. Aber er macht auch deutlich, wann man auf seinen gesunden Menschenverstand hören sollte:
„Und es gibt einen Trick, durch den der Charakter einer Religion sehr schnell erkennbar wird: Wie hält sie es mit dem Zweifel? Ist Zweifel möglich oder sogar erwünscht oder wird er sanktioniert und als Glaubensschwäche angesehen? Nichts definiert einen Glauben mehr als sein Verhältnis zum Zweifel.“
„Deutschland, deine Götter“ ist ein respektvoller und neugieriger Götterführer durch Deutschland. Er zeigt religiöse Vielfalt, aber auch Gefahren!

Tropen, ISBN 978-3-6085-0230-5, Preis 19,95 Euro

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