Irma Joubert: Sehnsuchtsland

sehnsuchtsland

Rezension von Edelgard Kornelsen:
Was mir als erstes an dem Buch gefiel, war der kurze ausdrucksstarke Titel und das ansprechend gestaltete Cover.
„Sehnsuchtsland“ von Irma Joubert ist ein Buch, das in die Tiefe geht. Es beginnt ca. 1905 in Russland, wo Hildegard als kleines Mädchen mit ihren Eltern und ihrer Nanny vor den Bolschewisten fliehen muss. Ihr neues Zuhause wird Königsberg in Preußen. Hier wird Hildegard, deren Mutter aus einer adligen Familie stammt, langsam erwachsen. Mitten in diesem Prozess lernt sie den fröhlichen und unkomplizierten Studenten Gustav kennen. Er ist der erste, der sie nicht als Kind behandelt, sondern als ebenbürtige Gesprächspartnerin. Gustav stammt aus Deutsch-Südwestafrika und erzählt ihr von seiner Sehnsucht nach dem warmen Land und seiner Mutter. Hildegard, die in einer eher lieblosen Familie aufwächst und sich immer noch nach ihrer Nanny sehnt, die ihr unvermittelt entrissen wurde, kann ihn gut verstehen. Doch eines Tages verschwindet auch Gustav ganz plötzlich aus ihrem Leben und kurz darauf bricht der erste Weltkrieg aus. Mit einem Mal verändert sich Hildegards Welt. Sie beginnt in einem Lazarett mitzuarbeiten und lernt die Grausamkeit und schrecklichen Folgen des Kriegs kennen. Da ihre Familie aufgrund des Krieges kein Einkommen mehr hat, erklärt sie sich nach dem Krieg bereit den viel älteren Freund ihres Vaters zu heiraten, um ihre Familie vor dem Ruin zu retten.

Im Laufe des Buches entwickelt sich Hildegard vom aufgeweckten und manchmal vorlauten Mädchen zu einer jungen Frau, die in eine Rolle schlüpfen muss, die ihr völlig fremd ist und sie stark verunsichert. Viele Jahre lebt sie nach einer ihr vorgeschriebenen Rolle. Auch wenn sie Dinge anders sieht und handhaben möchte, sie traut sich nicht anders als vorgeschrieben zu handeln. Erst im Laufe des zweiten Weltkriegs und seinen verheerenden Folgen lernt Hildegard, dass sie stärker ist als sie denkt.

„Sehnsuchtsland“ ist ein eher nachdenklich stimmendes Buch. Es zeigt auf, dass das Leben und die Umstände nicht immer sind, wie man es sich wünscht und es trotzdem immer weiter geht. Im Laufe ihres Lebens findet Hildegard wieder Halt in dem Glauben, den ihre Nanny ihr schon als Kind vorgelebt hat. Dieser Glaube gibt ihr die Kraft mit all den Schicksalsschlägen fertig zu werden und sie darf erleben, dass auch ihre Geschichte ein happy end findet.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27591-9, Preis 18,95 Euro

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