Steve Volke: Der Sehendmacher

Der-Sehendmacher

Rezension von Christian Döring:
Steve Volke findet in seinem neuen Buch „Der Sehendmacher“ zum Teil sehr deutliche Worte, um uns Leser aus der Reserve zu locken. So fragt er zum Beispiel: „Wann kommen wir endlich dahin, den finanziellen Reichtum als das anzusehen, was er wirklich ist? Nicht so sehr ein Segen Gottes, sondern das Ergebnis einer systematischen Vernachlässigung der Armen dieser Welt!“ (155)

Damit ist das Thema des Buches vorgegeben. Die Armen dieser Welt stehen im Mittelpunkt. Ebenso wir Blinden, die wir es gelernt haben, oftmals diese Armen nicht zu sehen. Klare Fragen und zum Teil Antworten formuliert Volke. Er vermeidet es, als Besserwisser aufzutreten, nimmt sich selbst in das Boot mit hinein, in dem wir Sehgeschädigten sitzen. Es sind vor allem seine persönlichen Geschichten, die sehr deutlich machen, wo er selbst bislang Sehstörungen hatte und wie er nun auf 100 Prozent Sehkraft zusteuert.

Dem Autor geht es dabei nicht nur um die volle Sehkraft seines Lesers. Er schaut auch auf unsere Gemeinden und stellt einmal mehr eine dieser furchtbar unbequemen Fragen: „Was würde deiner Stadt eigentlich fehlen, wenn es deine Gemeinde nicht mehr gäbe?“ (165) Volke weist darauf hin, dass wir im Reden oft unschlagbar gut sind, aber die praktizierte Diakonie vor Ort, die fehlt oft.

Auffallend ist, wie dicht der Autor sich wörtlich an biblische Zitaten orientiert. Über weite Strecken seines Buches wechseln die Absätze zwischen eben diesen Bibelzitaten und des Autors Texten. Dies zeigt, wie weit wir manchmal in der Alltagspraxis von biblischen Inhalten entfernt sind und hat zugleich den positiven Nebeneffekt, uns die verblüffende Aktualität der Bibel einmal mehr vor Augen zu halten.

Volke ist seit 2007 der Geschäftsführer des Kinderhilfswerkes Compassion Deutschland. Aus seiner Arbeit erzählt er, wenn er beispielsweise von den Armen dieser Welt spricht. Auch wenn er den Namen des bekannten Grafen Zinzendorf (130) gleich mehrfach falsch schreibt und dies unverständlicherweise scheinbar niemandem im Vorfeld aufgefallen ist, berühren die Einzelschicksale, über die Steve Volke ausführlich berichtet. Sie zeigen, wie Hilfe grundlegend Leben verändert und vor allem stellt der Autor sehr gut dar, wie der Helfer im Gegenzug reich beschenkt wird.

Jesus – der Sehendmacher gibt die Richtung vor. Steve Volke appelliert an uns Leser, die Augen zu öffnen und im Armen einen Bruder zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Sätzen wie „Was kann ich Einzelner schon machen…“ stellt der Autor den klar vormulierten Auftrag des Sehendmachers entgegen.

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34149-5, Preis 14,99 Euro

Steve Volke hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Steve Volke, soeben ist Ihr Buch „Der Sehendmacher“ erschienen. Warum ist es gerade zu diesem Zeitpunkt erschienen?

Weil es Zeit gebraucht hat, es zu erleben, um es schreiben zu können. Ich habe über 30 Bücher geschrieben, und manchmal ging das Schreiben schnell von der Hand. Dieses Buch hier aber ist das Ergebnis einer Entwicklung, die vor acht Jahren begonnen hat und noch lange nicht abgeschlossen ist. Es kommen mehrere Bereiche meines Lebens zusammen, die den Inhalt des Buches beeinflusst haben: Glauben – Nachfolge – Berufung – Berufliches. „Der Sehendmacher“ spricht von einer großen Veränderung in meinem Leben, die dazu geführt hat, dass ich vom „Journalisten zum Entwicklungshelfer“ geworden bin.

Blind sein ist nicht gerade angenehm, warum jedoch ist diese Krankheit so weit verbreitet?

Es geht in dem Buch, um die sogenannten „blinden Flecken“, die sehr wahrscheinlich jeder Mensch hat. Damit sind die Gebiete unseres Leben gemeint, deren Wichtigkeit wir völlig unterschätzen, weil wir „blind sind“. Viele Christen sind einfach zufrieden mit der Art und Weise, wie sie ihr Christsein leben. Sie kommen nie auf die Idee, mal bei Jesus nachzufragen, ob der auch damit zufrieden ist, wie sie ihr Christsein leben. Wenn sie es mal tun würden, dann könnten sie Überraschungen erleben. Ich habe welche erlebt und wurde auf einmal mit einem Themengebiet konfrontiert, dass ich aus meinem Leben völlig ausgeblendet hatte: das Engagement für die Armen.

autor steve volke in afrika

Autor Steve Volke für Compassion Deutschland in Afrika

Was mir Ihr Buch so sympathisch macht ist, dass Sie sich selbst als den gelegentlich Blinden beschreiben. Wie haben Sie die Momente erlebt in denen Sie sehend wurden?

Manchmal staunend, manchmal schmerzhaft, aber insgesamt äußerst heilsam. Erkenntnisse fallen ja nicht immer direkt vom Himmel oder werden einem blitzartig bewusst. Auch bei mir war das „Sehend werden“ ein Prozess, in dem ich immer noch drin stecke. Aber die Dinge, die ich in den letzten acht Jahren gelernt und erkannt habe, sind so überwältigend und haben mein Leben so stark verändert, dass ich dieses Buch schreiben konnte.

Was habe ich davon Armen zu helfen?

Erst mal haben die Armen viel davon, wenn wir ihnen helfen. Und darauf kommt es eigentlich an. Es geht nicht um uns, um unser Wohlbefinden und darum, dass wir uns gut fühlen. Es geht darum, dass viele Christen die Lebenssituation der Ärmsten der Welt einfach ignorieren und meinen, durch Wegsehen würde sich die Welt verändern. Ein Trugschluss. Daher wird es höchste Zeit, sehend zu werden. Aber: Wir selbst haben auch etwas davon. Ich habe in den letzten Jahren immer mehr festgestellt, dass Jesus mir in den Armen in einer Art und Weise begegnet, die ich so noch nie kannte und die ich mir nicht vorstellen konnte. Deshalb werden wir selbst auch gesegnet, wenn wir versuchen, für andere ein Segen zu sein.

Seitenweise wechseln in Ihrem Buch Ihre Texte mit biblischen Textstellen. Liest man dies, wird einem neu bewusst wie aktuell doch die alte Bibel ist. Warum verlieren wir dann in der Gegenwart so oft den Bezug zur Bibel, sehen sie nicht mehr als praktische Richtschnur unseres Handelns?

Da gibt es viele Gründe. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir als Christen in der Gefahr stehen, den Glauben zu delegieren. Er findet Sonntags statt, wird uns durch den Pfarrer oder Prediger vermittelt, wir lassen uns von Worship-Liedern in Stimmung versetzen, aber Montag sieht die Welt dann ja schon wieder anders aus. Wir haben die Nase voll von frommen Ratschlägen, wie z.B. der täglichen Andacht oder „Stillen Zeit“, die uns als frommes Gesetz gelebt in unserem Alltag nicht wirklich weiter hilft. Ich glaube, der größte Fehler, den Christen heute in Deutschland machen, ist, dass sie ihren Glauben nur als Religion sehen, die mit bestimmten Ritualen (wie z.B. dem sonntäglichen Gottesdienst) gelebt werden muss. Nachfolge ist aber etwas ganz anderes. Für mich bedeutet Nachfolge, jeden Tag zu sehen, wo Jesus gerade ist, und mich dann in seine Nähe zu begeben. Das hat ganz praktische Auswirkungen und bringt mich auch etwas aus meiner Komfortzone heraus.

Was glauben Sie, was kann so ein Buch wie „Der Sehendmacher“ bewirken?

Ich wünsche mir, dass durch dieses Buch den Lesern die Augen dafür geöffnet werden, was in ihrem Leben konkret passieren könnte, wenn sie Jesus tatsächlich mal das Steuer übergeben. Bei mir war es, dass er mich zum Entwicklungshelfer gemacht hat. Das kann bei anderen etwas ganz anderes sein. Daher sind mir die letzten beiden Kapitel „Sei du selbst der Reformator“ und „Vom Geben und Dienen“ besonders wichtig. Und wenn die Leser dann auf dem Weg dorthin noch ein paar Infos über die Lebenssituation armer Menschen und das Herzensanliegen Gottes mitbekommen, umso besser.

Lieber Steve Volke, vielen Dank für Ihre Antworten!

Gerth Medien Buch-Trailer:

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