Monatsarchiv: Oktober 2016

Heinrich / Heimowski: Der verdrängte Skandal

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Rezension von Christian Döring:
Das Zeitalter der Sklavenhaltung ist vorbei? Denkste!
Sexsklaven gibt es in Deutschland jede Menge. „Deutschland ist ein Herkunft -, Transit- und Zielland für Menschenhandel mit Frauen, Kindern und Männern zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung.“ zitieren die Autoren aus einem Report.
Schaut man in dieses Buch hinein, wird sehr schnell klar, nicht nur die Zahl der Sklaven steigt jährlich, sondern auch das Geschäft mit den Sklaven. Profite in wahnsinnshöhe kassieren Hintermänner. Und wir freien Bürger hier in Deutschland nehmen immer mehr solche Sex-Dienste still und heimlich in Anspruch oder reden nicht darüber. Und genau so wird aus dem Skandal ein verdrängter Skandal.
Dieses Buch zeigt woher die Frauen kommen, wie sie hier leben und ausgebeutet und erniedrigt werden.
Das Buch ist nichts für schlechte Nerven, es geht unter die Haut weil es nichts beschönigt. Aber es zeigt Ausstiegsmöglichkeiten für die Frauen.
Uwe Heimowski und Frank Heinrich lassen ihre Leser jedoch nicht mit all diesen hoffnungslosen Geschichten allein. Es werden für jeden Leser deutlich Wege gezeigt, wie er dem Sklavenhandel in Deutschland entgegentreten kann.
Sehr zu empfehlen damit Leben in Deutschland lebenswerter wird!

Brendow, ISBN 978-3-865-06894-1, Preis 15 Euro

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Irina Badavi/Angela Kandt: Wenn der Pfau weint

Wenn der Pfau weint von Irina Badavi

Wenn der Pfau weint von Irina Badavi

Rezension von Christian Döring:
Spätestens seitdem der IS die Welt in Angst und Schrecken versetzt, haben wir etwas vom Volk der Jesiden gehört. Ein kleines Volk das tief verwurzelt in eigener Religion und Tradition lebt.

Das Mädchen und Frauen in diesem Kastensystem nicht viel wert sind, mag gar nicht so sehr verwundern. Aber was Irina Badavi aus eigener schmerzvoller Erfahrung berichten lässt, kann einem schon Wut, Empörung und Fassungslosigkeit entlocken.

Irinas Familie hatte in Georgien gelebt. Den Vater hatte sie als prügelnden Diktator zu spüren bekommen und die Mutter als schweigende Haussklavin. Sie machte sich mehr Gedanken um das Ansehen der Familie, als um das Wohlergehen ihrer eigenen Kinder.

Als auch in der Sowjetrepublik Georgien Glasnost um sich griff, beschloss Irinas Vater mit seiner Familie in Deutschland Asyl zu beantragen.

Schon nach wenigen Monaten wurde Irina mitten in Deutschland zwangsverheiratet. Ihr wesentlich älterer Mann schlug und vergewaltigte sie und sagte ihr ins Gesicht, dass sie nur für Sex und zum Wohnung putzen auf der Welt sei.

Als Leser hetze ich von Seite zu Seite, weil ich wissen will wie Irina diesem Märtyrium entkommt. Aber zunehmend wird auch interessant zu erfahren wie so eine Parallelgesellschaft hier mitten in Deutschland funktioniert. Wohl zum ersten Mal erfahre ich aus erster Hand was es heißt nach jesidischer Tradition zu leben. In einem Kastensytem gefangen indem die Frau nichts wert ist, der Mann die Kinder und die Ehefrau schlägt und für die Zwangsverheiratung seiner Töchter sorgt.

Wie deutsche Behörden sich um Irina als Kind und später als zweifache Mutter kümmerten, berichtet die Journalistin Angela Kandt. In aller Offenheit berichtet Irina ihr aus ihrem Leben und der Leser erfährt an welchen Stellen Integration schier unmöglich erscheint.

Irina Badavi hat Lebensmut bewiesen und ist unter schwierigsten Bedingungen der Parallelgesellschaft entkommen. Sie ist mitten in der deutschen Gesellschaft aufgefangen worden. Viele jesidische Frauen und Mädchen hat sie in der Gefangenschaft der deutschen Parallelgesellschaft zurückgelassen. Mit diesem Buch wird mir erstmals bewusst, wie viele Menschen unfreiwillig in Parallelgesellschaften leben und wie viel Mut es erfordert diese zu verlassen.

Der deutsche Leser sollte sich das mutige Lebenszeugnis der Irina Badavi nicht entgehen lassen!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-08652-1, Preis 19,99 Euro

Mit Irina Badavi konnte ich nun dieses Gespräch führen:

Liebe Irina Badavi, Sie haben Angela Kandt Ihr ganzes Leben erzählt. Was hat das alles in Ihnen ausgelöst? Was hat es Ihnen gebracht?

Auf der einen Seite hat dieses Erzählen wieder Vieles in Erinnerung gebracht. Da waren verdrängte Ereignisse, aber vor allem auch Gefühle, Schmerzen. So manche Schläge habe ich erneut auf meiner Haut und ganz tief in mir gespürt. Plötzlich erinnerte Demütigungen, aber auch Wut wühlten mich wieder so auf, dass ich es kaum aushalten konnte. Doch so schmerzhaft dieses Erinnern teilweise war, so hat mir das Reden auch gut getan. Einige Dinge habe ich für dieses Buch überhaupt zum ersten Mal erzählt.

Als Jesidin in Deutschland lebend, waren Sie Gefangene einer Parallelgesellschaft. Zwangsverheiratet und Besitz eines Mannes, ist das Tradition oder Religion?

Das ist schwer zu sagen, weil in unserer jesidschen Kultur Tradition und Religion sehr miteinander vermischt sind. Beim Versuch, es dennoch zu trennen, sage ich gern: Nicht die Religion ist das Problem, es sind die Menschen, die sie missbrauchen. Und da bin ich schon bei Traditionen bzw. einem tradierten frauenverachtenden Verhalten, das sich über die Zeit etabliert hat. Nach meiner Beobachtung früher in Georgien und später hier in Deutschland ist das, was mir geschehen ist, nicht die Ausnahme. Es kommt vor. Aber es gibt mittlerweile auch tolerantere jesidische Familien, die nicht den einengenden Traditionen, in denen ich gelebt habe, verhaftet sind und trotzdem ihre jesidische Kultur leben. Dies allerdings oft unter Schwierigkeiten, weil die soziale Kontrolle in den jesidischen Gemeinschaften groß ist.

Oft wurden Sie von Ihrem Vater und später von Ihrem Ehemann geschlagen. Der Ehemann hat Sie mehr als einmal vergewaltigt. Wie kann man mit solchen seelischen Wunden zwei Kinder erziehen, selbst Liebe weitergeben?

Ja, das habe ich mich zuweilen auch gefragt. Schließlich habe ich weder in meinem georgischen Elternhaus, noch in dem Clan hier in Deutschland Liebe und Zuneigung kennengelernt. Aber da war immer die Sehnsucht in mir, eine Ahnung, eine Hoffnung, dass es so etwas gäbe. Ich habe ja schon als Kind viel gelesen. Und diese Bücher haben mir Welten eröffnet, in denen Menschen anders miteinander umgehen, als ich es gewohnt war. Außerdem habe ich ja in der Familie meiner russischen Freundin beobachtet, wie lieb, wie nett, wie warm Menschen zueinander sein können. Es ist mir ein großes Bedürfnis, meinen Kindern, die ganz früh die Gewalt ihres Vaters erleben mussten, all die Liebe zu geben, die ich nicht erlebt habe.

Die Männer kommen in Ihrem Buch sehr schlecht weg. Ich kann dies zwar bei Ihren Erfahrungen sehr gut verstehen, aber sind diese Männer nicht auch nur Gefangene einer unmenschlichen Religion?

Zunächst würde ich die Religion nicht als unmenschlich bezeichnen, sondern, wie bereits erwähnt, das Verhalten vieler Menschen. Und ja, es stimmt: Ich weiß von Männern, die zwangsverheiratet wurden. Aber ihr Unmut darüber richtete sich nicht gegen das jesdische Herrschaftssystem mit seinen Kasten, sondern sie wurden gewalttätig gegen ihre Frauen. Ich wünsche mir einfach sehr, dass die jesidischen Männer, die ja in unserem System immer noch den Ton angeben, begreifen, dass eine Abschaffung unserer strengen Heiratsregeln und die Achtung der Würde, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Männern und Frauen letztendlich auch ihnen zugutekommt.

Was glauben Sie, gibt es heute noch in Deutschland jesidische Familien, in denen Frauen geschlagen und junge Mädchen zwangsverheiratet werden?

Ja, das gibt es. Durch meine Arbeit im Frauenhaus und auch mit Geflüchteten weiß ich von solchen Übergriffen. In den Medien finden sich immer wieder Berichte von sogenannten „Ehrenmorden“ an jungen Mädchen und Frauen, die sich widersetzt haben.

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Foto: Irina Badavi

So gut es geht sind Sie heute dieser Parallelgesellschaft entflohen. Was macht der deutsche Staat in der Integrationsarbeit falsch? Wo hätten Sie sich, als Sie noch in der Parallelwelt lebten, viel mehr Hilfe von deutschen Ämtern und Behörden gewünscht?

Das Problem war ja einfach, dass ich in dieser Parallelwelt mitten in Deutschland gelebt habe wie eine Gefangene. Man hat mir alles verboten, vor allem den Kontakt zu diesem Deutschland und das Erlernen seiner Sprache. Deshalb hatte ich keine Ahnung von meinen Rechten in diesem Land. Deshalb bin ich in allergrößter Not, als ich glaubte, mein Exmann würde mich töten, zur einzigen Behörde gegangen, die ich kannte: das war die Ausländerbehörde. Heute würde ich sagen: Der Staat hätte mehr tun müssen für die Integration unserer Familie. Als ich mit meinen Eltern und Geschwistern als Flüchtling aus Georgien hier ankam, war ich erst 16. Die Behörden, die Sozialarbeiter hätten die Schulpflicht durchsetzen müssen. Dann hätte ich wenigstens schon früh Deutsch gelernt und gesehen, wie die Menschen hier leben, welche Rechte und Pflichten sie haben. Ich meine, dass Deutschkurse die erste Pflicht für alle ankommenden Flüchtlinge sein sollten.

Wie leben Sie heute? Sehen Sie für sich eine Zukunft in Deutschland?

Ja. Hier ist mein neues Zuhause. Hier lebe ich mit meinen Kindern. Hier habe ich einen tollen Job, in dem ich mich für Frauenrechte engagieren kann. Ich habe zwar aufgrund meiner Geschichte keinen wirklichen Kontakt mehr zu meiner Familie und die jesidische Gemeinde hat mich nach dem Verlassen meines Exmannes ausgeschlossen, aber ich habe hier eine Sozialfamilie. Ich bin als Jesidin geboren und werde auch als Jesidin sterben. Doch Deutschland ist meine neue Heimat und ich bin dankbar, dass ich hier selbstbestimmt leben kann. Etwas, wonach ich mich immer gesehnt habe. Und ich bin froh, dass es meinen Kindern in diesem Land gut geht und sie die Chance haben, das Leben zu leben, das sie möchten.

Liebe Frau Badavi und liebe Frau Kandt, herzlichen Dank für das Zustandekommen dieses Interviews
und viel Erfolg mit Ihrem mutigen Buch!

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Wolfgang Seehaber: Bonhoeffer und Bethge

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Rezension von Christian Döring:
Viel mehr als ein Porträt einer wunderbaren Freundschaft!

Was Wolfgang Seehaber mit diesem Buch gelungen ist, ist zunächst einmal ein unterhaltsames Lehrbuch für das wichtigste aller Fächer: Die Freundschaft. Und hatte ich zunächst nur einen Bericht von der Freundschaft Bonhoeffers zu Bethge erwartet, zählt mir der Autor zu Beginn die wenigen wirklichen Freunde Bonhoeffers vor Bethge auf.

Seehaber nimmt uns nicht nur in die Kirchengeschichte mit, er lässt die dreißiger Jahre lebendig werden. D. Bonhoeffer war mehrmals in England und den USA und ging die ersten tieferen Freundschaften ein. So unter anderem mit afroamerikanischen Baptistenprediger Frank Fisher und dem englischen Bischof George Bell. Der Autor muss oft erahnen, was im einzelnen zwischen den Protagonisten gelaufen ist, aber deutlich wird dennoch, wie Dietrich Bonhoeffer positiv beeinflusst wird und wie ihn diese Freundschaften in der eigenen Entwicklung vorwärts bringen.

Im Zentrum dieser Lektüre steht jedoch Bonhoeffers größter Freund Eberhard Bethge. Beide finden in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen und ergänzen sich wunderbar. Da ist der lebenslustige, sich zurücknehmen könnende Bethge und da ist der doch irgendwie unnahbare Bonhoeffer, dem zumindest gute Schulnoten so einfach in den Schoß zu fallen scheinen.

Seehaber verfolgt zwar die große Linie, eine Freundschaft zu beschreiben, aber es gelingt ihm auch immer wieder über Verstrickungen der evangelischen Kirche und einzelner Persönlichkeiten im Nazisystem zu berichten.

Unterhaltsam und die Kirchengeschichte unter der Hitlerzeit wieder auffrischend, beschreibt Wolfgang Seehaber diese Freundschaft, die für beide eine Bereicherung für das jeweilige Leben war. Am Ende schreibt Seehaber an einer Stelle: Aus dem Freund Bethge wurde der Erbe Bonhoeffers. Ein schweres Buch, nicht nur weil es weit mehr als ein Pfund wiegt, sondern weil es schmerzt mit anzusehen, wie diese Freundschaft auseinandergerissen wurde.

fontis, ISBN 978-3-038-48095-2, Preis 18, 99 Euro

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Rolf Bauerdick: Wenn Gott verschwindet, verschwindet der Mensch

Wenn Gott verschwindet verschwindet der Mensch von Rolf Bauerdick

Wenn Gott verschwindet verschwindet der Mensch von Rolf Bauerdick

Rezension von Christian Döring:
Dieser Titel macht neugierig. Sein katholischer Autor schreibt „Eine Verteidigung des Glaubens“. Den weltreisenden Rolf Bauerdick kenne ich bereits aus anderen Büchern und vertraue mich ihm gern an. Bei ihm weiß ich sehr genau, er schreibt, was er denkt und muss niemandem nach dem Munde reden.

In zwölf Kapiteln macht der Autor klar, auf welch unterschiedliche Weise wir Menschen uns immer mehr von Gott entfernen und vor allem was anschließend aus uns wird. Er verlässt dabei nicht die Rolle des Beschreibenden. Bauerdick weißt auf Konsequenzen hin, den pädagogischen Zeigefinger allerdings, den braucht er nicht, um eindrücklich darauf hinzuweisen, dass wir an einem Scheideweg stehen.

Der Autor weißt auf Karl Rahner hin und was dieser bereits vor Jahrzehnten zu Papier brachte ist einleuchtend: „Wenn das Wort Gott verschwunden ist, spurlos und ohne Erinnerungsrest, dann hätte der Mensch das Ganze und seinen Grund vergessen, und zugleich vergessen – wenn man das noch so sagen könnte – dass er vergessen hat. Was wäre dann? Wir können nur sagen: Er würde aufhören, ein Mensch zu sein. Er hätte sich zurückgekreuzt zum findigen Tier.“

Was ist also so falsch in unserem Alltag?

Warum lassen wir Gott heute nicht mehr in unseren Alltag hinein?

Verstehen wir Freiheit falsch?

In einem seiner zwölf Kapitel geht Bauerdick sehr präzise auf das Wunder von Lourdes ein und noch mehr auf das Leben der Bernadette Soubirous. Was sie erlebt und erfahren hat, vor allem auch in ihrem späteren Leben als Nonne, genau das meint der Autor, wenn er vom verschwindenden Gott schreibt. Wenn das Dogma den Glauben behindert oder gar unmöglich macht, dann haben wir Menschen Gott bereits verlassen. Eine zutiefst berührende Geschichte, die allerdings nicht allein steht. Rolf Bauerdick hat mehrere solcher Geschichten auf Lager. Einige kennen wir, aber der Autor erzählt sie neu, damit wir erkennen, an welcher Stelle wir Gott den Rücken zukehren, um unsere Karriere als „findiges Tier“ zu starten?!

Das Buch lässt nachdenklich werden. Rolf Bauerdick kratzt nicht irgendwo am Lack, er geht sehr in die Tiefen unseres Menschseins. Er betrachtet die vielen Gottesbilder, die sich Menschen immer wieder neu zusammengezimmert haben. An die sie glaubten und die sie wieder verwarfen.

Woran glauben wir heute?

Warum ist Gott so oft nicht mehr ein Kraftquell?

Rolf Bauerdick ist unbequem, aber er stellt Fragen, die wir längst hätten stellen müssen!

DVA, ISBN 978-3-421-04602-4, Preis 19, 99 Euro

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Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses

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Rezension von Christian Döring:
Peri ist die Heldin dieses Buches. Nicht so eine Heldin die, mit dem ruhmreichen Schwert in der Hand, auf der Siegesstraße steht. Manchmal liegt sie auch blutend in der Gosse und atmet türkischen Mief. Es gibt aber auch Zeiten da studiert sie in England.

Die Kapitel im Buch sind clever aneinandergereiht. Zunächst begegne ich der achtjährigen Peri in den 80 er Jahren in Istanbul. Ihre Mutter ist streng gläubig. Ihr Vater ist skeptisch und stellt vieles in Frage. Dann sind da noch zwei Brüder die mit ihrer politischen Einstellung nicht weiter auseinanderliegen könnten. Peri fühlt sich zu ihrem Vater gezogen und der bestärkt sie darin Fragen zu stellen.

Dann dauert es nicht lange und es kommen immer im Wechsel Kapitel hinzu, die Peri in den 90er Jahren oder auch in 2016 beschreiben.

Es ist spannend und für unsere westlichen Wertevorstellungen manchmal nicht ganz einfach zu verstehen in welchen Zwängen, nicht nur äußeren, Peri lebt. Selbst in England sind diese Wertevorstellungen nicht einfach verschwunden. Sie hat hier zwei Freundinnen, die das Gefühl der Zerrissenheit sichtbar werden lässt. Peri muss Spannungen aushalten und Entscheidungen treffen …

Peris innere Zerrissenheit, die Zerrissenheit Istanbuls in einen europäischen und einen asiatischen Teil, die Innenansichten des türkischen Lebensgefühls, welches es so in seiner Einheit gar nicht geben kann, all dies skizziert Elif Shafak meisterhaft in ihrem Roman. Das Buch hätte zu keinem besseren Zeitpunkt in Deutschland erscheinen können, als gerade jetzt, wo die Türkei bei uns so im Fokus steht.

Für mich ist nicht alles verständlich was Peri tut, vor allem nicht als sie selbst Mutter ist. Aber das muss es auch nicht. Ich fühle mich beim Lesen, als würde ich als staunender Beobachter in eine fremde Welt hineinschauen.

Hat man diesen Roman gelesen, ist man in puncto Türkei vielleicht nicht viel schlauer geworden, aber immerhin ist es so wie einmal durch eine Luke in eine fremde Welt schauen!

Kein & Aber, ISBN 978-3-036-95752-4, Preis 25, 00 Euro

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Claudia Schmid: Die Feuerschreiber

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Rezension von Christian Döring:
Philipp Melanchthon und Martin Luther sind die beiden Protagonisten, die im Fokus dieses historischen Romans stehen. Claudia Schmid berichtet über die spannende Zeit in Wittenberg. Dabei ist ihr Blickwinkel ungewohnt, aber wohltuend anders als der normal übliche.

In Claudia Schmids Beschreibung der Ereignisse läuft Melanchthon Luther den Rang ab. Deutlich wird, was Luther an dem kleinen und lispelnden Melanchthon hatte. Zudem erfährt der Leser sehr anschaulich aus welchen familiären Verhältnissen Melanchthon kam und wie die beiden so unterschiedlichen Theologen doch gut miteinander auskamen.

Auch wenn es für Melanchthon ab und an eine Enttäuschung von Luther zu schlucken galt, so war es ihm im Großen und Ganzen doch eine Freude an der Reformation direkt vor Ort mitzuwirken. So manches sehr gute Angebot anderer Landesfürsten hatte er im Laufe der Jahre immer wieder abgewiesen um in Wittenberg zu bleiben.

Dieser Roman von Claudia Schmid holt den großen Luther ein wenig runter vom Ruhmessockel und führt Philipp Melanchthon ein Stück näher an eben diesen heran. Gerade in einer Zeit da es überall nur so luthert, ist dieses Buch eine sehr gelungene Lektüre!

fontis, ISBN 978-3-038-48090-7, Preis 19, 99 Euro

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