Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses

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Rezension von Christian Döring:
Peri ist die Heldin dieses Buches. Nicht so eine Heldin die, mit dem ruhmreichen Schwert in der Hand, auf der Siegesstraße steht. Manchmal liegt sie auch blutend in der Gosse und atmet türkischen Mief. Es gibt aber auch Zeiten da studiert sie in England.

Die Kapitel im Buch sind clever aneinandergereiht. Zunächst begegne ich der achtjährigen Peri in den 80 er Jahren in Istanbul. Ihre Mutter ist streng gläubig. Ihr Vater ist skeptisch und stellt vieles in Frage. Dann sind da noch zwei Brüder die mit ihrer politischen Einstellung nicht weiter auseinanderliegen könnten. Peri fühlt sich zu ihrem Vater gezogen und der bestärkt sie darin Fragen zu stellen.

Dann dauert es nicht lange und es kommen immer im Wechsel Kapitel hinzu, die Peri in den 90er Jahren oder auch in 2016 beschreiben.

Es ist spannend und für unsere westlichen Wertevorstellungen manchmal nicht ganz einfach zu verstehen in welchen Zwängen, nicht nur äußeren, Peri lebt. Selbst in England sind diese Wertevorstellungen nicht einfach verschwunden. Sie hat hier zwei Freundinnen, die das Gefühl der Zerrissenheit sichtbar werden lässt. Peri muss Spannungen aushalten und Entscheidungen treffen …

Peris innere Zerrissenheit, die Zerrissenheit Istanbuls in einen europäischen und einen asiatischen Teil, die Innenansichten des türkischen Lebensgefühls, welches es so in seiner Einheit gar nicht geben kann, all dies skizziert Elif Shafak meisterhaft in ihrem Roman. Das Buch hätte zu keinem besseren Zeitpunkt in Deutschland erscheinen können, als gerade jetzt, wo die Türkei bei uns so im Fokus steht.

Für mich ist nicht alles verständlich was Peri tut, vor allem nicht als sie selbst Mutter ist. Aber das muss es auch nicht. Ich fühle mich beim Lesen, als würde ich als staunender Beobachter in eine fremde Welt hineinschauen.

Hat man diesen Roman gelesen, ist man in puncto Türkei vielleicht nicht viel schlauer geworden, aber immerhin ist es so wie einmal durch eine Luke in eine fremde Welt schauen!

Kein & Aber, ISBN 978-3-036-95752-4, Preis 25, 00 Euro

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