Wolfgang Seehaber: Bonhoeffer und Bethge

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Rezension von Christian Döring:
Viel mehr als ein Porträt einer wunderbaren Freundschaft!

Was Wolfgang Seehaber mit diesem Buch gelungen ist, ist zunächst einmal ein unterhaltsames Lehrbuch für das wichtigste aller Fächer: Die Freundschaft. Und hatte ich zunächst nur einen Bericht von der Freundschaft Bonhoeffers zu Bethge erwartet, zählt mir der Autor zu Beginn die wenigen wirklichen Freunde Bonhoeffers vor Bethge auf.

Seehaber nimmt uns nicht nur in die Kirchengeschichte mit, er lässt die dreißiger Jahre lebendig werden. D. Bonhoeffer war mehrmals in England und den USA und ging die ersten tieferen Freundschaften ein. So unter anderem mit afroamerikanischen Baptistenprediger Frank Fisher und dem englischen Bischof George Bell. Der Autor muss oft erahnen, was im einzelnen zwischen den Protagonisten gelaufen ist, aber deutlich wird dennoch, wie Dietrich Bonhoeffer positiv beeinflusst wird und wie ihn diese Freundschaften in der eigenen Entwicklung vorwärts bringen.

Im Zentrum dieser Lektüre steht jedoch Bonhoeffers größter Freund Eberhard Bethge. Beide finden in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen und ergänzen sich wunderbar. Da ist der lebenslustige, sich zurücknehmen könnende Bethge und da ist der doch irgendwie unnahbare Bonhoeffer, dem zumindest gute Schulnoten so einfach in den Schoß zu fallen scheinen.

Seehaber verfolgt zwar die große Linie, eine Freundschaft zu beschreiben, aber es gelingt ihm auch immer wieder über Verstrickungen der evangelischen Kirche und einzelner Persönlichkeiten im Nazisystem zu berichten.

Unterhaltsam und die Kirchengeschichte unter der Hitlerzeit wieder auffrischend, beschreibt Wolfgang Seehaber diese Freundschaft, die für beide eine Bereicherung für das jeweilige Leben war. Am Ende schreibt Seehaber an einer Stelle: Aus dem Freund Bethge wurde der Erbe Bonhoeffers. Ein schweres Buch, nicht nur weil es weit mehr als ein Pfund wiegt, sondern weil es schmerzt mit anzusehen, wie diese Freundschaft auseinandergerissen wurde.

fontis, ISBN 978-3-038-48095-2, Preis 18, 99 Euro

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