Andreas Knapp: Die letzten Christen

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Rezension von Christian Döring:

In aller Eile bereitet Autor Andreas Knapp seine Reise in die Nähe von Mossul vor. Er begleitet einen Flüchtling zur Beerdigung dessen Vaters. Andreas Knapp schreibt auf was er sieht, was er hört und was er an theologischen Fakten für wichtig hält, fügt er noch hinzu. Dabei entsteht ein erschütterndes Buch, welches keine Hoffnung aufkommen lässt. Die Christen der Region haben seit Jahrhunderten in dieser Region mit muslimischen Nachbarn in Frieden gelebt, nun scheint nichts mehr davon möglich zu sein.

Dem Autor ist es hier gelungen sachliche Informationen und viele Einzelschicksale gut aneinaderzureihen. Es entsteht ein Bild von einer Region in der Christen fluchtartig ihre Heimat verlassen um nicht vom IS als Ungläubige ermordet zu werden. Viele Junge gehen mit ihren Kindern nach Europa, nach Deutschland. Oft lassen sie Eltern und Großeltern zurück, weil das Geld für die Schleuser nicht reicht.

Knapp scheut sich nicht vor politischen Aussagen. Er kritisiert wo er meint das Kritik angebracht ist. Er traut sich sogar Saudiarabien zu kritisieren… Vielleicht wird mir gerade deshalb die Art und Weise wie der Katholik Andreas Knapp berichtet um so glaubwürdiger.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln schaut der Autor auf die letzten Christen im Nahen Osten. Ein Buch zum Heulen, aber wohl eins was sehr kenntnisreich über die derzeitige Lage informiert!

Wir satten Christen in Deutschland bekommen durch diese Lektüre einen vielleicht ganz neuen Blickwinkel auf die hier ankommenden christlichen Flüchtlinge ermöglicht. Einige werden noch hier in Deutschland schikaniert, nur weil sie eine Kette mit einem Kreuz tragen. Wir sollten beginnen zu differenzieren und wir sollten ganz besonders unseren christlichen Brüdern und Schwestern Raum und Freiheit geben um von ihren Erfahrungen als Christen im Nahen Osten zu berichten. Genau über diesen Weg wird die Schockstarre überwunden werden können und vielleicht Zukunft ermöglicht!

adeo, ISBN 978-3-863-34118-3, Preis 17,99 Euro

 

Autor Andreas Knapp hat mir folgende Fragen beantwortet:

 

Lieber Andreas Knapp, soeben ist Ihr Buch „Die letzten Christen“ – Flucht und Vertreibung aus dem Nahen Osten erschienen. Wie kamen Sie zu diesem Thema und wie kam es zu diesem Buch?
Ich lebe in einem Plattenbau in Leipzig-Grünau, einem Wohnviertel, in dem sehr viele Wohnungen leer stehen. Seit 2 Jahren sind viele Geflüchtete in unserem Viertel zugezogen; ich habe einige kennengelernt und versucht, sie zu unterstützen, etwa bei Behördengängen oder dem Ausfüllen von Papieren. Unter den Geflüchteten sind auch Christen aus dem Irak und aus Syrien. Ich habe sie gebeten, mir ihre Geschichte zu erzählen und das hat mich so bewegt, dass ich diese Geschichte aufschreiben und veröffentlichen wollte.
Völlig überstürzt begannen Sie Ihre Reisevorbereitungen in den Irak. Was ist da in Ihnen vorgegangen, woran haben Sie am meisten gedacht? Hat Ihre Neugierde oder haben Ihre Ängste überwogen?
Es war eine sehr spontane Entscheidung. Und es war sehr unwahrscheinlich, dass innerhalb so kurzer Zeit alle nötigen Papiere und Vorbereitungen realisiert werden können. Als dann alles klappte, war ich innerlich sehr ruhig, weil ich das Gefühl hatte: Diese Reise soll sein – und dann kann ich auch vertrauensvoll nach Kurdistan fahren.
Und als Sie dann die Gewehrschüsse der Soldaten des IS hörten, wie ergeht es da einem völlig kriegsunerfahrenen Christen aus Deutschland?
Es waren vor allem Geschützfeuer – da wurde mir schon etwas mulmig, weil ich auch nicht einschätzen konnte, ob jetzt in unserer Nähe Granaten einschlagen.
 
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Autor Andreas Knapp
Sie haben irakische Christen aus Mossul kennengelernt. Zur Zeit wird erbittert um diese Stadt gekämpft. Glauben Sie, dass nach der Befreiung der Stadt Mossul wieder Christen dort ansässig werden?
Das wäre sehr zu hoffen. Doch ich sehe noch keinen Plan für eine politische Zukunft dieser Stadt und der Niniveh-Ebene. Die Koalition, die derzeit Mossul zurückerobern will, ist aus sehr unterschiedlichen Partnern zusammengesetzt. Diese haben zwar das gemeinsame Ziel, den IS zu vertreiben. Doch für die Zukunft dieser Gegend gibt es keinen gemeinsamen Plan: Die Kurden wollen einen eigenen Staat, die Zentralregierung in Bagdad will das natürlich nicht … Und vom irakischen Parlament wurde wenige Tage nach der Rückeroberung der christlichen Städte und Dörfer ein Gesetz verabschiedet, das die Produktion und den Verkauf von Alkohol mit strengen Strafen belegt. Dieses Gesetz ist eindeutig gegen die Christen gerichtet, denn diese kennen kein religiöses Verbot von Alkohol. Dass das Parlament von Bagdad in dieser dramatischen Situation sich ausgerechnet mit einem Alkoholverbot beschäftigt, ist ein klares Signal an die Christen: Ihr habt bei uns keinen Platz mehr!
Ihr Buch fährt dreigleisig. Es wird theologisches Fachwissen serviert, aber immer wieder auch bewegende Einzelschicksale von denen Sie berichten. Was mich neben der Not und dem Elend am meisten erschüttert hat, ist die Tatsache, dass die muslimischen Nachbarn der Christen zu all deren Verfolgung im wesentlichen schweigen. Wie erklären Sie dies?
Ich habe da nur Vermutungen. Zum einen wollen sich die muslimischen Nachbarn nicht selbst in Gefahr bringen, indem sie sich für die Christen einsetzen. Ähnliches haben wir ja auch in Deutschland erlebt, als im Dritten Reich jüdische Nachbarn verhaftet wurden – und sich niemand für sie eingesetzt hat. Auch materielle Gier kann eine Rolle spielen: Man kann sich am Gut der Christen bereichern. Wahrscheinlich spielen auch religiöse Hintergründe eine Rolle: Denn die Christen gelten vielen Muslimen als unrein oder ungläubig – und für solche Leute setzt man sich nicht ein.
Vor politischen Kommentaren schrecken Sie nicht zurück. Wenn Frau Merkel Sie heute zu ihrem Berater ernennen würde, was wären Ihre ersten Forderungen?
Ich würde vor allem raten, die demokratische Opposition und die kritischen Journalisten in der Türkei zu stärken. Die Türkei spielt in den Konflikten im Nahen Osten eine Schlüsselrolle – und Deutschland bzw, die NATO hat mit Rücksicht auf den Bündnispartner, von dessen Territorium aus man Russland bedrohen kann, zu Diskriminierungen von Minderheiten oft geschwiegen. Auch auf Bagdad müsste Druck ausgeübt werden, damit die Rechte der Minderheiten, etwa der Yesiden oder der Christen mehr geschützt werden.
Viel Grund zur Hoffnung lassen Sie mir als Leser nicht. Gibt es dennoch für mich eine Möglichkeit das Leid der Christen aus dem Nahen Osten zu lindern?
In meinem Buch schlage ich vor, sich für die Christen, zu uns geflohen sind, zu interessieren und ihnen zu helfen, ihren Glauben und ihre Kultur zu bewahren. Aber auch die geflüchteten Muslime brauchen unsere Unterstützung, damit eine andere Lesart des Islam heranreifen kann, die die Nicht-Muslime als gleichberichtigte Bürger eines demokratischen Staates zu respektieren lernt.
Herzlichen Dank für Ihre Antworten!
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