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Carsten „Storch“ Schmelzer: Homosexualität

homosexualität

Seit Jahrzehnten ist das Thema Homosexualität unter Christen ein äußerst umstrittenes Thema. Stets scheiden sich an dieser Stelle die Geister und stehen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber.

Das soeben erschienene Buch von Carsten „Storch“ Schmelzer betrachtet eingehend das Alte und Neue Testament, die sich unversöhnlich gegenüber stehenden Gruppen von Christen heute, aber auch die sich in der Gegenwart entwickelnde christliche Ethik zu diesem Thema.

Was dabei heraus kommt ist eine solide Arbeit, in der alle beteiligten Seiten zu Wort kommen. Selbst Betroffene werden gehört, all zu oft wird ja noch immer nicht mit sondern über Homosexuelle geredet. Dieses Buch ist weit weg von der oberflächlichen Frage von Akzeptanz und Verurteilung Schwuler und Lesben. Es nimmt Christen in die Verantwortung und erkennt an, dass mit der Geburt Christi die Welt verändert ist.

Der Pastor mit dem seltsamen Spitznamen scheint keine Angst vor heißen Eisen zu haben!

Brendow, ISBN 978-3- 86506-741-8, Preis 14,95 Euro

Storch hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Storch, Du lässt wohl kein heißes Eisen liegen? Schon bei Deinem Heilungsbuch wurde munter und auch kritisch debattiert. Jetzt greifst Du das Thema „Homosexualität“ auf. Bist Du lebensmüde, oder warum ist das Thema gerade jetzt wichtig?

Hallo Christian, nein, lebensmüde bin ich sicher nicht, nicht mal ein Konfliktesucher. Ich bin nur davon überzeugt, dass mich als Teil der Gesellschaft dieselben Themen interessieren wie die meisten anderen. Wir leben im größten Umbruch der Geschichte. Wahrheiten, die unsere Eltern noch geglaubt haben, werden heute in Zweifel gezogen. Das heißt, dass jedes Thema neu diskutiert werden muss, und dieser Trend geht ja nicht an den Christen vorbei. Wir reden aber generell zu wenig. Deshalb muss jemand die Themen aufgreifen, die uns im Grunde alle beschäftigen.

Was glaubst Du, warum stehen sich gerade beim Thema Homosexualität Christen verschiedener Gruppen so unversöhnbar gegenüber?

Weil das Thema viel tiefer geht, als es aussieht. Es ist oft ein Stellvertreterkonflikt, in Wirklichkeit geht es um hermeneutische Fragen, Ethik und ähnliche Themen, die uns zu Recht beschäftigen. Im Chemieunterricht an der Schule habe ich gelernt, was ein Lackmustest ist. Bei meinen Recherchen kam das Wort dauernd. Wie man sich zur Homosexualität verhält, soll der Lackmustest des Glaubens sein, der zeigt, ob jemand Gott treu ist oder sich vom Zeitgeist korrumpieren lässt. Dabei stimmt das gar nicht. Sexuelle Orientierung hat nichts mit Glauben zu tun. Wir sollten achtgeben, dass wir nicht Äpfel und Birnen verwechseln.

Du hast Dich ausführlich mit der Homosexualität im Alten und Neuen Testament beschäftigt. Was ist für Dich das Ergebnis Deiner Studien und was für eine Bedeutung haben sie für die Gegenwart?

Zunächst einmal habe ich viele unterschiedliche Sichtweisen kennengelernt, die in ihrer ganzen Vielfalt von ernsthaften Christen vertreten werden. Die Stellen sind also nicht so leicht zu verstehen, wie oft behauptet wird.
Dann ist es, wie bei allen Themen, nicht so, dass die Bibel pauschal etwas zu sagen hat. In einer säkularen Welt hat die Bibel nur den Gläubigen etwas zu sagen, ihre ganze Bedeutung entfaltet sie durch die Beziehung zu Jesus. Er ist das Zentrum, nicht die Bibel. Deshalb halte ich es für entscheidend, dass jeder Mensch die Gewissensfreiheit hat, aus seiner eigenen Beziehung zu Jesus Christus diesen aus seinem Wort sprechen zu hören. Die Behauptung, dass die Bibel das und das sagt, ist nicht bei jedem Thema hilfreich.

Nachdem ich nun Dein Buch gelesen habe, würde ich es so zusammenfassen: Jesus erlaubt den Quantensprung! Warum verändert sich mit Jesus wirklich alles und was kann dies heute für das Thema Homosexualität bedeuten?

Weil Jesus uns die Möglichkeit gibt, Menschen auf einer Ebene zu begegnen, die noch viel tiefer ist als ihre Orientierung und die ganzen anderen Faktoren, die wir schon tief finden. Er sieht uns, wie wir wirklich sind, und erlaubt uns, dass wir uns selbst und unsere Mitmenschen mit seinen Augen sehen. Seine Gnade verändert alles.

pastor carsten storch

Foto: Pastor Carsten „Storch“ Schmelzer

Du lebst nicht auf einem fernen Stern. Du hörst die Stimmen von Christen, die dies völlig anders sehen. Was sagst Du denen?

Das kommt darauf an. Ich habe zwei Sorten von Christen erlebt, die zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Auf die einen lasse ich nichts kommen. Es sind Leute, die ehrlich zu der Überzeugung gekommen sind, dass Gott selbst gegen Homosexualität ist. Ich habe einige kennengelernt, die schwule Freunde haben, mit denen sie teilweise sogar im Hauskreis sitzen. Sie setzen sich gegen Diskriminierung ein und versuchen Schwule und Lesben zu verstehen, kommen aber immer zu dem Schluss, dass es vor Gott nicht in Ordnung ist. Solchen Menschen begegne ich mit Respekt und ziehe meinen Hut vor ihrem Mut, eine sehr unpopuläre Meinung zu vertreten. Das sollten wir als Teil der Gewissensfreiheit hoch schätzen.
Auf der anderen Seite gibt es viele, die Homosexualität einfach eklig finden und nicht bereit sind, sich mit ihren Vorurteilen auseinanderzusetzen. Sie übernehmen Vorurteile, die immer schon falsch waren, und sind schlicht zu faul und zu feige, um sich um der Menschen willen mit ihnen auseinanderzusetzen. So was geht in unserer Zeit nicht mehr, und es ist nicht in Ordnung. Da schlage ich meist die Hände über dem Kopf zusammen und spreche ein stilles Gebet. Respekt kann man von jedem verlangen.

Die Weisheit hast Du ganz sicher auch nicht mit Löffeln gefressen, aber ich sehe Dein Buch als Impuls, eine möglichst sachliche Debatte zu beginnen. Was bekommst Du als erste Reaktionen auf Dein Buch zu hören?

Wenn Du damit meinst, dass mein Beitrag nicht das Letzte ist, was zu diesem Thema geschrieben und gesagt wurde, dann hast Du sicher recht. Aber dennoch überwiegen die positiven Rückmeldungen. Ich habe gehört, dass man dem Buch einen engagierten Umgang mit Menschen und der Bibel abspürt. Mehr kann ich kaum verlangen, schließlich geht es mir um den Dialog miteinander.

Vielen Dank für das Interview!

Der Brendow Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 28. Mai 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Übrigens, „Storch“ schaut hier hin und wieder vorbei und wird dann auch Deine Frage beantworten!

je ein Verlosungsexemplar haben gewonnen:
Carmen
joy592014
und
sunshilla –
herzlichen Glückwunsch!

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Rainer Buck: Tims Arche

tims arche

Mutig packt Rainer Buck das schwierige Thema Homosexualität und Christ sein an. Frei von theologischer Engstirnigkeit hat er eine Story erfunden, in der die üblichen Charaktere mit diesem Reizthema konfrontiert werden.

Aus Sicht der jungen Studentin Susann erzählt Buck die Story die nichts vom Ausgang vorweg nimmt oder erahnen lässt. Pastor Tim Friese hat in seiner Kirchengemeinde eine Arche geschaffen, in der Gestrandete Gemeinschaft suchen. Es kommen nicht die Massen, aber langsam kommen die, die in die Kerngemeinde nicht kommen würden. Susann und Tim kommen sich näher und werden aus gleich mehreren Gründen doch kein Paar.

Wie gehen Gemeinden unterschiedlichster Prägung mit dem Thema Homosexualität um? Ist Ausgrenzung heute noch ein Thema? Wie gehen ganz normale Christen mit diesem Thema um? All diesen Fragen geht Rainer Buck unverkrampft nach und kommt dabei nicht ins theoretische Gelaber. Er orientiert sich am Alltag. Wie alltagstauglich ist unser Glaube in der Gegenwart? Haben Homosexuelle wirklich in unseren frommen Reihen etwas zu suchen oder sollten wir ihnen nicht doch besser zu verstehen geben, dass sie lieber draußen bleiben sollten?

Sehr genau hat sich Rainer Buck das Team seiner Protagonisten zusammengestellt. Bis zum Schluss bleibt es spannend mit zu verfolgen wie sich die Geschichte entwickelt. Von Anfang an fühlte ich mich in die Arche hineingezogen und war vom Ende der Story überrascht.

Bei Rainer Buck wird deutlich: Da wo Menschen ausgegrenzt werden, kann nicht von Gottes Liebe gesprochen werden!

Turmhut Verlag, ISBN 978-3-945175-07-1, Preis 11,99 Euro

Rainer Buck hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Rainer, Dein neues Buch „Tims Arche“ ist seit wenigen Wochen auf dem Markt. Welcher Teufel hat Dich eigentlich geritten Homosexualität und Kirche zusammenzubringen, bist Du grad auf Krawall gebürstet?

Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich war schon mitten in der Arbeit an diesem Buch, als bei uns in Baden-Württemberg im Zusammenhang mit einer Bildungsplandebatte und einer Petition das Thema Homosexualität hochkochte. Dabei wurde auch wieder die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften thematisiert. Christen wie z.B. der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz sehen den verfassungsgemäßen Schutz von Ehe und Familie gefährdet. Ich finde es bedauerlich, dass durch öffentliche Äußerungen von Mitchristen, die ich für ihr Engagement schätze, der Eindruck entsteht, für Schwule und Lesben gebe es bei den „Frommen“ keinerlei Akzeptanz. Dadurch werden manche homosexuelle Christen ihrer geistlichen Heimat beraubt oder leben jahrelang im Zwiespalt, jüngstes Beispiel ist die Sängerin Vicky Beeching. Außerdem finde ich es nicht in Ordnung, wenn Kirchenleitungen schlechtgemacht und des Glaubensabfalls bezichtigt werden, die tolerante Regelungen für homosexuelle Mitarbeitende beschließen.

Im Buch erzählt die junge Studentin Susann von ihrem Leben. Wie ist das, wenn man als Mann in eine Frauenrolle schlüpft, braucht es da eine besondere Vorbereitung?

Nein. Als Romanautor musst du dich in jede Figur einfühlen. Susann ist zwar die Ich-Erzählerin, aber mit Tim Friese und Carolus Sternau gibt es auch markante männliche Protagonisten. Ich denke, wichtiger als das Geschlecht ist für mich, dass mir der Menschentyp liegt. Ich habe es ja schon mal gewagt, eine Frau zur Erzählerin zu machen und freute mich da besonders, wenn sich Leserinnen mit der Figur identifizieren konnten.

Pastor Tim Friese baut in seiner Kirchengemeinde sein Projekt „Arche“. Unterschiedlichste Typen bauen da am gemeinsamen Projekt, welches sich Gemeinde nennt. Auch ihn trifft unverhofft sehr persönlich das Thema Homosexualität, was glaubst Du, warum ist ausgerechnet dieses Thema so sprengstoffbeladen?

Außerhalb der Kirche ist das Thema kaum noch ein Aufreger, weil Homosexuelle heute ganz normal und bürgerlich leben können. Die Christen tun sich schwerer, weil es in der Bibel Aussagen gegen praktizierte Homosexualität gibt. Natürlich ist die Bibel für mich relevant, auch die Aussagen zur Sexualität. Was die Bibel nach meinem Verständnis anprangert, berührt allerdings nach meinem Verständnis eher nicht die Wünsche homosexueller Menschen nach einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. In der Bibel geht es um Unzucht und widernatürliches Verhalten. Für die Vorstellung, dass Homosexualität zur Schöpfungsabsicht Gottes gehören könnte, muss die Schöpfungsgeschichte nicht umgeschrieben werden. Die Minderheit homosexuell geprägter Menschen bringt das Familienmodell nicht ins Wanken.

Rainer Buck 00588

Foto: Rainer Buck

Was willst Du mit Deinem Buch erreichen?

Mir ist klar, dass ich theologische Meinungen kaum beeinflussen werde; die Diskussionen fahren ja gewöhnlich immer an der Frage der Bibelauslegung an eine Wand. Als Romanautor habe ich den Vorteil, die Diskussion nicht zu Ende führen zu müssen. Ich hoffe, dass meine Erzählung Anregungen dafür gibt, wie das Zusammenleben auch bei unterschiedlichen Standpunkten funktionieren könnte. Zudem könnte sie vielleicht in einigen Punkten die Sensibilität dafür schärfen, wie auch gutgemeinte Aussagen diskriminieren und verletzen können. „Gott hasst die Sünde, liebt aber den Sünder“ ist ein schlimmes Zitat, wenn ein wesentlicher Teil der Persönlichkeit eines Menschen pauschal zu Sünde erklärt wird. Umgekehrt sollte man allerdings auch Christen wegen einer Gewissenshaltung nicht diskreditieren.

In Deinem Roman herrscht am Ende Frieden. In der Realität sind allerdings Streit und Sprachlosigkeit der Schlusspunkt, warum hast Du Dich für ein versöhnliches Ende entschieden?

In meinem Buch sind nicht alle Probleme aus der Welt geschaffen. Nur einer kleinen Gruppe von Menschen, im Übrigen alles Christen, kommt vielleicht an einen Punkt, an dem sie erkennen, dass sie sich das Leben nicht gegenseitig unnötig schwer machen müssen. Die stärksten Momente christlicher Einheit sind für mich nicht die, wenn alle einer Meinung sind. Ich kann mir ehrlich vorstellen, dass uns die Bibel neben allen wichtigen Antworten durchaus ein paar offene Fragen hinterlassen hat, damit wir uns daran üben können, unseren Drang nach Rechthaberei zu bezwingen und uns in der Liebe zu üben.

Der Turmhut Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis spätestens 14.Oktober unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Gewinner des Verlosungsexemplares ermittelt:
Juergen, Ricky und Michl – herzlichen Glückwunsch!
(15.10.)

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